What Happened (Teil 2)

15. August 2010

Ich sitze gerade zusammen mit Erik in Delhi im Hotelzimmer und wir vertreiben uns die Zeit, bis in wenigen Tagen, am 16.08.2010, unser Flug nach Deutschland startet.

Trotzdem berichte ich jetzt von der Stelle aus weiter, wo ich im letzten Blogeintrag aufgehört habe:

Das Zwischenseminar

Nachdem ich ca. zwei Wochen in Nampally gearbeitet hatte, ging es für uns am 4. April schon wieder los zum Zwischenseminar nach Neu-Delhi. Da einige der anderen Freiwilligen aus Hyderabad für dasselbe Zwischenseminar angemeldet waren, sind wir zusammen gefahren. Nach 25 Stunden Zugfahrt (natürlich im Schlafwagen) haben wir Neu-Delhi wohlbehalten erreicht und sind in die Mahatma Gandhi Peace Foundation gefahren, wo unser einwöchiges Seminar stattfand. Dabei war es schön, sich wieder mit vielen deutsch sprechenden, gleichaltrigen und weitgehend auch gleichgesinnten anderen Freiwilligen unterhalten zu können. Wir hatten ja alle schon so einiges erlebt und da macht es einfach Spaß die vielen Erfahrungen auszutauschen und neue Eindrücke zu sammeln. Schon alleine durch die unterschiedlichen Menschen, die bei dem Seminar dabei waren, kam eine sehr anregende Vielfalt zustande. In Kombination mit angeleitetem, aber trotzdem sehr lockerem Programm und gemeinsamen Freizeitaktivitäten, wurde das Seminar ein Erfolg.

Der KaLänder

Auf unserem Zwischenseminar haben wir uns auch darüber unterhalten, was für entwicklungspolitische Projekte man noch außerhalb des Weltwertdienstes starten könnte. Dabei sind wir auf die Idee gekommen, einen Kalender mit den Fotos der Weltwärtsfreiwilligen aus den unterschiedlichen Ländern und Projekten zu erstellen. Dieser soll dann, mit kurzen Beschreibungen versehen, an Bekannte und Verwandte verkauft werden, um mit den kompletten Erlösen ausgewählte Entwicklungsprojekte zu unterstützen. Mittlerweile ist die Verwirklichung des KaLänders in vollem Gange und er wird vorraussichtlich innerhalb der nächsten Monate gedruckt.

Politischer Pluralismus

An einem der freien Nachmittage während des Seminars habe ich mit einigen der anderen Freiwilligen eine öffentliche Veranstaltung zur Anprangerung der Ungleichbehandlung der Stammesbevölkerung besucht.
In dem östlichen Bundesstaat Orissa werden, im Zuge der möglichst schnellen wirtschaftlichen Erschließung von Erzvorkommen, die Rechte der dort lebenden Einheimischen stark verletzt. Der Wille zur Profitmaximierung scheint Staat und Wirtschaftsunternehmen zu vereinen und rücksichtsloses, nicht rechtsstaatliches Verhalten zu legitimieren. Aufgrund der immer größer werdenden Unterdrückung haben sich in der Vergangenheit einige extremistische Widerstandsgruppen in der Region gebildet, wodurch der Konflikt immer weiter verschärft wurde. Mittlerweile stehen viele der dort lebenden Menschen unter Generalverdacht und die Gewalt nimmt immer weiter zu. Unter anderem wird weiterhin Land entschädigungslos beschlagnahmt, die Leute werden von der Polizei verprügelt bzw. vertrieben und es kommt zu Plünderungen. Außerdem liefern sich die Extremisten immer wieder Kämpfe mit Polizei und Militär. In den indischen Zeitungen und Fernsehnachrichten habe ich schon häufiger Berichte über die Ereignisse in dieser Region gesehen, wobei vorwiegend Propaganda im Sinne der Regierung betrieben wird.
Die von uns besuchte Veranstaltung war ein über mehrere Tage stattfindendes professionelles Informationsprogramm mit Pressepräsenz und zwei- bis dreihundert Zuhörern, das auf die großen Menschenrechtsverletzungen aufmerksam machen sollte. Dazu wurden Schriftsteller, Medienvertreter, Mitarbeiter von NGOs, andere Engagierte und direkt Betroffene eingeladen, um ihre Einschätzung der Lage zu schildern. Es war sogar ein Regierungssprecher vor Ort, der eine recht oberflächliche und einseitige Präsentation abhielt. Man muss allerdings auch dazu sagen, dass er in der ansonsten ausschließlich regierungskritischen Runde einfach deplaziert und von vorneherein zum Scheitern verurteil war.
Alles in allem war ich von der Modernität des Veranstaltungsortes, der guten Organisation und der hohen Qualität der gesamten Veranstaltung äußerst überrascht. Es war politsches Engagement auf sehr hohem Niveau. Momentan gibt es zwar offensichtlich noch einige Schwierigkeiten mit den Praktiken der Regierung und ich weiß auch nicht, wie groß das Interesse an Veranstaltungen dieser Art ist, aber allein deren Existenz bedeutet in meinen Augen schon ein großes Potential für die indische Demokratie. Jetzt soll natürlich keiner den Eindruck gewinnen, ich hätte gedacht, die indische Politik funktioniert ohne öffentliche politische Veranstaltungen. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt aber ausschließlich Wahlkampfveranstaltungen gesehen und die waren wenig überzeugend. Es ging eigentlich nur um die Huldigung bestimmter Politiker, das Rufen aus qualitativ sehr minderwertigen Lautsprechern und das Herumtragen von Plakaten. Auf einem der politischen Plakate hier in Indien wurde das Wahlprogramm des abgebildeten Politikers mit dem Zitat „Fighting for Poverty“ (Kämpfen für Armut) beschrieben… Ich unterstelle in diesem Fall allerdings schlechtes Englisch und keine unehrenhaften Absichten.

Urlaub in Delhi

Nach dem Ende unseres Seminars haben Erik und ich noch einige Tage in einer der zwei Freiwilligen-WGs verbracht und Delhi erkundet. Auffällig ist dabei vor allem die extrem moderne Metro. Aber auch sonst ist Delhi moderner als andere indische Städte und es gibt anscheinend viele wolhabende Leute. Mehr indische Frauen laufen in westlichen Klamotten herum, es sind verhältnißmäßig viele Weiße unterwegs und auf den Straßen ist der Anteil an Autos gegenüber den Motorrädern deutlich höher. Außerdem haben wir unter den Autos auch ein Paar nagelneue Modelle von Porsche und Rolls-Royce gesehen. Mercedes ist da ja gar nicht mehr erwähnenswert…
Einmal waren wir in einem Kino, welches in einem sehr luxoriösen Einkaufscenter untergebracht war. Einkaufscenter nach westlichem Standard findet man sowieso in jeder Großstadt hier in Indien, aber das in Delhi war noch drüber. Allen gemeinsam ist, dass sehr viel Personal unterwegs ist und auch während der Öffnungszeiten an allen Ecken und Enden geputzt wird. Außerdem kann man im Kino die Bestellungen in den Pausen vom Platz aus aufgegeben und sich vorbei bringen lassen. Vor dem Einkaufscenter wird natürlich ausschließlich mit dem Auto vorgefahren. Rikschas sind vorm Eingang nicht erlaubt, wodurch wir das letzte Stück zufuß gehen mussten. Neben Modegeschäften, Elektronikgeschäften und Imbissen gab es auch einen Supermarkt, der wirklich alles anzubieten hatte, was es in Deutschland auch gibt. Bestimmte Produkte, die in Indien sonst nicht üblich sind, waren sogar teurer als in Deutschland.

Kumbh Mela

In Delhi hatten wir erfahren, dass gerade der Zeitraum der Kumbh Mela ist und so sind wir am 13. April nach Haridwar gefahren, um Zeuge zu werden. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was ist die Kumbh Mela: Es ist ein gigantisches Hindu Festival, das in vier verschiedenen Orten Indiens gefeiert wird. Jeder davon hat seinen eigenen Zwölfjahreszyklus, sodass alle paar Jahre in einem der vier Orte eine Kumbh Mela stattfindet. Zu dieser Zeit gibt auf zwei bis drei Monate verteilt ca. zehn Festtage, zu denen extrem viele Pilger reisen, um sich im heiligen Wasser des Ganges Flusses von ihren Sünden reinzuwaschen. Auf einer gesamten Kumbh Mela waren in der Vergangenheit auch schon über 60 Millionen Leute und an einem der Hauptbadetage können es bis zu 15 Millionen werden.

Wie man sich bei den Zahlen leicht denken kann, ist keine leichte Sache überhaupt hinzukommen. Wir sind am frühen Morgen in Delhi zum Busbahnhof gefahren, um irgendwie einen Bus zu erwischen. Erst mal sah es überhaupt nicht gut aus, weil alle Busse in unsere Richtung schon hoffnungslos überfüllt waren. Die Leute saßen schon dicht gedrängt auf den Dächern, um noch mitfahren zu können. Nach einer Weile haben wir uns dann clevererweise ein Stückchen vor den Busbahnhof gestellt und da wurde auch klar, warum alle Busse im Busbahnhof schon voll waren: Die meisten Mitreisewilligen sind einfach schon vor dem eigentlichen Busbahnhof eingestiegen. Also haben wir uns mit einigem Kämpfen auch einen Sitzplatz in einem der Busse ergattert. Als er in Reichweite kam, wurde er innerhalb von wenigen Sekunden voll und musste so gar nicht mehr den Umweg über den Busbahnhof machen.
An dieser Stelle möchte ich mich einmal über die (Fehl)Konstruktion in vielen indischen Bussen auslassen: Die Sitzreihen sind einfach zu eng aneinander gebaut, sodass man keinen Platz für die Beine hat. Das ist echt krass. Und nicht, dass jetzt einer denkt, ich habe zu lange Beine oder einen zu großen Freiheitssinn. Ich rechne nach indischem Maßstab. Sogar ein mittelkleiner Inder kann seine Füße in manchen Bussen nicht auf den Boden setzten, weil die Knie vorher an die Rückseite der vorderen Sitzbank stoßen.
Na ja – in dem Bus nach Haridwar war es gerade noch okay. Wir sind dann erstmal ganz normal gefahren, bis der Stau kam. Kein wunder, wenn so viele Leute innerhalb von kurzer Zeit an einen Ort wollen, der am Fuße des Himalaya liegt, sodass fast alle aus dem Süden kommen.
In der Wartezeit wurden wir dann Zeuge der indischen Demokratie. Und zwar hatte der Fahrkartenverkäufer am Anfang 200 Rupien anstatt der sonst üblichen 150 Rupien für die Fahrkarten verlangt. Er glaubte wohl an die Gesetzte der Marktwirtschaft und sah sich bei einem derart extremen Missverhältnis von Angebot und Nachfrage durchaus berechtigt den Preis zu erhöhen. Während der langen Busfahrt hatten sich die zunächst überrumpelten Passagiere allerdings gut verständigt, sodass sie nun ihre 50 Rupien zurückverlangten. Nach einiger Diskussion ging der Fahrkartenverkäufer dann rum und gab jedem Einzelnen die 50 Rupien zurück, woraufhin uns gegenüber die großen Vorzüge der indischen Demokratie gepriesen wurden.
Der Stau dauerte ungefähr zwölf Stunden, bis wir so nah dran waren, dass wir aussteigen und den Rest zufuß gehen konnten. Mittlerweile war es nachts um eins und wir waren immer noch in bester Gesellschaft. Eigentlich wollten wir gerne schlafen, aber es war einfach zu voll. An eine Unterkunft war sowieso nicht zu denken, aber auch die guten Plätze, um am Straßenrand bzw. auf den Wiesen zu schlafen, waren schon besetzt. Überall lagen Menschen und es kamen immer noch neue hinzu. Nach einer Weile haben wir dann auch ein gemütliches Fleckchen Gras gefunden, um uns für den Rest der Nacht hinzulegen.
Am nächsten Morgen haben wir uns erstmal an den Ganges gesetzt, um dem geschäftigen Treiben zuzuschauen: Viele Leute badeten natürlich im Ganges, um sich von ihren Sünden zu befreien und es kamen unaufhörlich neue Pilger hinzu. Zu jeder Tages- bzw. Nachtzeit waren die kleinen Straßen voll von Menschen. Uns war das Wasser etwas zu dreckig zum Baden und als wir uns sattgesehen hatten, haben wir uns aufgemacht, um nach Rishikesh weiterzureisen. Von dort aus wollten wir dann noch weiter in Richtung Himalaya. Also sind wir losgelaufen. Gefährte gab es überhaupt nicht, weil die Straßen viel zu voll waren. Auf dem Weg haben wir noch eine saubere Badestelle gefunden und konnten uns so doch noch von unseren, natürlich nie begangenen, Sünden befreien. Viele Leute haben sich das an diesem Tag besonders heilige Gangeswasser in Flaschen abgefüllt, um es auch später noch verwenden zu können. Außerdem ist uns die Freizügigkeit der indischen Frauen aufgefallen. Eigentlich baden sie hier in Indien immer nur mit Sachen, aber an dem Tag war es anscheinend auch gestattet den Saree obenrum kurzzeitig etwas zu lüften, um sich auch dort besser waschen zu können.
An der Badestelle haben wir dann auch eine der typischen Bemalungen auf die Stirn bekommen. Es war wie so eine Art Ausrufezeichen in Rot und Orange. Wir wussten zwar nicht so richtig, was es bedeutet, aber auf jeden Fall wurden wir in der Zeit danach immer wieder freundlich mit vor der Brust gefalteten Händen begrüßt. Die Stimmung war sowieso ziemlich gut, sodass es richtig Spaß gemacht hat, mit den Massen mitzulaufen. Außerdem gab es immer genug Essen am Wegesrand zu kaufen und wir konnten eine richtig schöne Pilgertour genießen. Irgendwann kamen wir dann auch in den nächsten kleineren Ort, von dem aus man nach Rishikesh fahren konnte. Wir waren aber schon so sehr in Wanderlaune gekommen, dass wir es vorzogen, die restlichen 21 Kilometer auch noch zu laufen. Auf dem Weg haben wir dann noch ein paar Inder getroffen, die uns ein kleines Stück in ihrem Jeep mitgenommen haben. Gegen Abend sind wir dann trotzdem ziemlich erschöpft in Rishikesh angekommen.

Rishikesh

Auch in dieser Stadt waren immer noch viele Pilger unterwegs. Außerdem ist sie ein Hauptanziehungspunkt für Westler, die gerne Yoga oder Meditationskurse besuchen wollen. Nach langem Suchen haben wir aber trotzdem eine erschwingliche Unterkunft gefunden und uns erstmal erholt.
Während der paar Tage in Rishikesh haben wir eine kleine Wanderung zu einem nahegelegenen Wasserfall unternommen und das Wild Water Rafting auf dem Ganges ausprobiert. Bei einem der unzähligen Tourenanbieter haben wir uns für eine etwa zweistündige, umgerechnet 8 Euro kostende Fahrt entschieden. Zuerst gab es natürlich die Sicherheits- und Kommandoeinführung, bis wir dann in einem Schlauchboot zusammen mit unserem Leiter und vier indischen Teilnehmern den Fluss heruntergepaddelt sind. In regelmäßigen Abschnitten kamen dann Stromschnellen, die wir unter großem Rütteln und Schütteln passiert haben. Da wir nie umgefallen waren, durften wir bei der letzten Stromschnelle dann einfach mal so aus dem Boot springen und uns mitreißen lassen. Das hat ziemlich Spaß gemacht – man musste nur zum richtigen Zeitpunkt atmen, sonst drohte exzessives Verschlucken.

Reise im Himalaya

Von Rishikesh aus sind wir weiter in den Himalaya gefahren, um wandern zu gehen. Auf dem Weg haben wir in Uttarkashi einen ziemlich lustigen Polizisten getroffen. Er hatte uns angeboten, mit ihm in seinem Büro zu warten, bis unser Bus kommt und so haben wir dort einige Zeit zusammen verbracht. Das Büro war allerdings eher eine Blechhütte in der Mitte des Busbahnhofes und der Polizist hat sich ungehemmt, aber nicht schlecht gelaunt, darüber ausgelassen, dass er nicht so richtig damit zufrieden ist, alleine den ganzen Tag über für den kompletten Busbahnhof verantwortlich zu sein. Er sitzt zwar nur in seinem Büro oder muss draußen die Leute anmeckern, aber für 12 Stunden am Tag ist das natürlich auch nicht das Wahre. Außerdem war er sich durchaus bewusst, dass seine Blechbude nicht gerade komfortable ist und er hat auch keinen Hehl daraus gemacht, dass dauernd der Strom ausfällt. Am Besten war aber, was er einem Untergebenen in unserer Anwesenheit so über die große weite Welt erzählt. Zum Beispiel sei Russland früher auch schwach gewesen aber dann hätte die Bevölkerung hart gearbeitet und sich zivilisiert verhalten (wobei seiner Meinung nach vor allem der Gebrauch von Mülleimern eine große Rolle spielt) und jetzt sei Russland deswegen eine große Wirtschaftsmacht. In dieser Art hat er seinem Kollegen so einiges darüber erzählt, wie die Welt sich dreht, wobei wir uns einfach nur köstlich amüsiert haben.
Nach einer Weile kam dann unser Bus und wir sind weitergefahren. Die Busfahrt war schon sehr spannend. Wir waren ja schon im Gebirge und entsprechend schön war die Aussicht: schneebedeckte Berge, tiefe Täler und weite Wälder. Außerdem verlief die Straße immer in Schlangenlinien und der Bus ist nur ca. zwei Meter entfernt vom ungesicherten Abgrund gefahren. Da wurde mir am Anfang schon etwas mulmig, aber dann habe ich mir gesagt, wenn der Busfahrer wirklich unfähig wäre, dann hätte er schon irgendwann vorher mal abstürzen müssen. Das Alter und die Qualtität des Busses habe ich einfach nicht weiter infrage gestellt…
Nach mehreren Stunden Busfahrt sind wir in einem kleinen Ort kurz vor Gangotri ausgestiegen und haben uns eine Unterkunft gesucht. Am nächsten Morgen haben wir dann den 20 Kilometer langen Fußmarsch nach Gangotri angetreten, um von dort aus in die Gletscher zum Ursprung des Ganges zu steigen.

Die Landschaft war sehr schön und die Luft hatte angenehme Temperaturen. Nachts wurde es allerdings sehr kalt und auf unserem Weg lag vereinzelt sogar Schnee.

Nach ca. zwei Stunden haben wir erstmal Pause gemacht und gemütlich unsere Cornflakes mit Milch gefrühstückt.

Nach weiteren 40-60 Minuten laufen, wurden wir dann glücklicherweise von einem Jeep mitgenommen. Unser schweres Gepäck hatte uns schon auf dem Weg nach Rishikesh zu schaffen gemacht und es war in der Folgezeit nicht leichter geworden, sodass wir die Mitfahrgelegenheit auf keinen Fall ausschlagen wollten. In Gangotri angekommen, haben wir sofort einen der einheimischen Führer getroffen. Theoretisch hätte er unsere zweitägige Tour zu den Gletschern leiten können, aber wir hatten keine Genehmigung… Diese hätten wir eigentlich in Uttarkashi beantragen sollen. In der Regel gibt es die nötigen Papiere allerdings auch in Gangotri, nur hatte die Bergsteigesaison noch gar nicht angefangen und der zuständige Beamte war gerade weggefahren. Von alldem bis dahin leider nichts.

Da wir ohne Anmeldung keine richtige Tour machen konnten, mussten wir uns mit einem kurzen Ausflug in der näheren Umgebung des immerhin 3042 Meter hoch gelgenen Gangotri begnügen.

Unser damaliger Führer kommt ursprünglich aus Nepal und verdient mit unterschiedlichen Touren während der Bergsteigesaison genug Geld, um über die Runden zu kommen. Er hat uns erzählt, dass Gangotri und die umliegenen Orte während der Saison brechend voll mit Touristen sind. Die Nebensaison werde dann dafür genutzt, alles instandzusetzen, bis es wieder losgeht. Auf unserer Busfahrt hatten wir auch etliche nahezu komplett leerstehende Unterkünfte gesehen, die aber wohl wenige Monate später rappelvoll werden. Außerdem meinte unser Führer, die Quelle des Ganges, wo wir ja eigentlich hin wollten, wäre früher in Gangotri gewesen und hätte sich mit der Zeit in immer größere Höhen verschoben.

Die Umgebung von Gangotri.

Bei unserer kurzen Wanderung in der Nähe von Gangotri.

Der sehr heilige Tempel in Gangotri, am ehemaligen Ursprung des ebenso heiligen Ganges. Er war zu dem Zeitpunkt allerdings gerade geschlossen, um renoviert werden zu können.

Ein weiteres Bild unserer Reise im Himalaya.

Und ein letztes Bild des kleinen Ausflugs.

Am Nachmittag sind wir dann erst wieder mit dem Jeep in den Vorort von Gangotri und von dort aus mit dem Bus zurück nach Uttarkashi gefahren. Dort haben wir natürlich unseren Freund den Polizisten wieder getroffen (immerhin hat er ja den ganzen Tag über Dienst). Nach einer Übernachtung sind wir dann am 20. April über Rishikesh wieder zurück nach Delhi. Alles in allem ein ca. 24 stündiger Fahrtweg.
In Delhi haben wir dann noch ein wenig die Gesellschaft und das W-Lan der Freiwilligen-WG genossen, bevor wir mit dem Bus nach Agra gefahren sind.

Agra und der Taj Mahal

Ich weiß es ist Mainstream, aber wir waren nunmal sowieso in der Nähe. Sage und Schreibe 750 Rupien kostet der Eintritt in den Taj Mahal für Touristen. Inder bezahlen hingegen nur 20 Rupien!!! Das ist zwar gemein, aber nicht ungewöhnlich: Bei allen Sehenswürdigkeiten in Indien gibt es unterschiedliche Preise für Touristen und Einheimische. Das Missverhältnis beim Taj Mahal ist meiner Erfahrung nach allerdings unübertroffen.

Das „Tor“ zum Taj Mahal. Eintritt wird aber schon an einem der drei vorgelagerten und wesentlich kleineren Tore bezahlt.

Der Taj Mahal. Man sieht schon, dass verhältnissmäßig viele ausländische Touristen anwesend sind. Diese überschreiten aber bei Weitem nicht die Zahl der einheimischen Touristen. Am linken Rand ist zu sehen, wie eines der beliebten „Ich halte mit meiner Hand die Spitze des Taj Mahals“-Fotos inszeniert wird.

Nochmal von etwas näher. Direkt vor dem Eingang des Taj Mahals werden natürlich die Schuhe ausgezogen und es sind Matten ausgelegt, weil der durch die Sonne extrem aufgeheizte Marmorboden ansonsten nicht einmal mit abgehärteten indischen Fußsohlen passierbar ist. Für einige wenig anpassungsfähige westliche Touristen gibt es allerdings die nicht besonders viel Respekt bezeugende Alternative, sich eine Art Haarnetz über die Schuhe zu ziehen.

Links und rechts vor dem Taj Mahal sind weitläufige Grünflächen mit vielen Bänken, die vor allem von den Indern für eine entspannte Mittagspause genutzt werden. Eine öffentliche Toilette gibt es, wie an vielen anderen Orten in Indien, natürlich auch.

Am Eingangsbogen und an vielen anderen Stellen des Taj Mahals sind sehr schöne Marmorintarisien zu sehen.

Auch im Innenbereich wurden die Wände kunstvoll verziert. Ich muss allerdings dazu sagen, dass der Innenraum eigentlich ziemlich blöd ist. Es ist sehr eng und schummrig und alle Touristen laufen hektisch im Kreis um den Sarg in der Mitte, den man wegen einer Art Marmorgitter gar nicht sieht.

Der Taj Mahal wurde links und rechts noch von jeweils einem Zusatzgebäude flankiert. Natürlich alles streng symmetrisch.

Englisch ist nicht gleich Englisch

Beim letzten Essen in Agra haben wir ein amerikanisches Pärchen getroffen, welches auch noch am selben Abend nach Varanasi weiterfahren wollte. Beim Warten auf dem Bahnhof ist mir aufgefallen, dass sie einige Probleme damit hatten, das indische Englisch zu verstehen. Auch sie selbst waren überrascht, dass wir Deutschen besser mit den Indern kommunizieren konnten. Dabei ist mir gleich eingefallen, was uns einmal einer der Don Bosco Priester erzählt hatte. Und zwar besucht er regelmäßig internationale Veranstaltungen, die natürlich meistens auf Englisch stattfinden. Das sei seinen Berichten nach in der Regel kein Problem, solange die Amerikaner, Engländer und Australier nicht involviert sind. Deren Akzent wird anscheinden äußerst schlecht von den Anderen verstanden…

Varanasi

Diese Stadt am Ganges ist sehr alt und gilt als Ort, an dem die traditionellen Wurzeln des Hinduismus noch erhalten sind. Trotzdem oder gerade deswegen sind auch dort einige, vor allem spirituelle, Touristen unterwegs.

Beim Spazieren am Ufer haben wir einen Büffelhirten getroffen.

Er war ziemlich nett und hat gleich angefangen seine Büffel zu waschen, damit wir ein schönes Erinnerungsfoto machen können.

Das Gangesufer in Varanasi ist durchgehend mit sogennanten „Ghats“ bebaut. Sie sind eine Art Ufernalage mit Treppen zum Baden, kleineren Geschäften und Einrichtungen zum Beten. An einigen der Ghats gibt es auch Stellen für die traditionelle Leichenverbrennung.

Insgesamt gibt es ca. 20 Ghats, die allerdings fließend ineinander übergehen.

Jeden Abend findet in Varanasi an einem der Hauptghats eine traditionelle Feierlichkeit zu Ehren der Hindugötter statt.

Sogar vom Wasser aus wird zugeguckt, wie die fünf Jugendlichen an den Altären beten und Rituale durchführen. Außerdem werden Kerzen auf den Fluss gesetzt und am Ende der Feierlichkeit holen sich alle Anwesenden bei den Vorbetern eine kleine Süßigkeit und eine Handvoll gesegnetes Wasser ab.

Bei einer Bootstour am nächsten Morgen konnten wir das Treiben an den Ghats besonders gut beobachten. Es spielt sich dort ein Großteil des öffentlichen Lebens ab.

Nach der Bootstour haben wir noch drei der Tempel in Varansi besucht. Bei einem davon liefen überall Affen herum, die von den Besuchern gefüttert und als Symbol des Affengottes Hanuman geehrt wurden.

Westbengalen

Auf unserem Zwischenseminar hatten uns zwei Freiwillige eingeladen, sie und ihr Projekt in Westbengalen, nahe bei Kolkatta, zu besuchen. Deshalb sind wir per Zug von Varanasi aus nach Kolkatta und von dort per Bus und Jeep in ihr etwas abgelegenes Dorf gefahren.
Zu dieser Zeit war allerdings gerade Streik, sodass unser Zug extreme Verspätung hatte und wir der Einfachheit halber in einem Warteraum auf dem Bahnhof übernachtet haben, um am nächsten Tag gleich von dort aus weiterfahren zu können. Der Boden war zwar hart, aber dafür waren die Duschen und Toiletten in ausgezeichnetem Zustand.
Bei den Freiwilligen angekommen, haben wir ein paar Tage zusammen mit ihrer Gastfamilie gewohnt, sie bei ihrer Freiwilligenarbeit in nahegelegenen Schulen begleitet und während einer kleinen Fahrradtour die Region erkundet. Dabei ist uns klar geworden, dass wir es mit Hyderabad echt gut getroffen haben und unser Freiwilligenjahr auch westenlich unkomfortabler hätte sein können… In dem Dorf und der näheren Umgebung gibt es nämlich nicht gerade viel Abwechslung und die Versorgungslage ist wesentlich schlechter.

Orissa

Relativ in der Nähe von dem Dorf in Westbengalen war noch ein anderes Freiwilligenpaar untergebracht, welches wir auch auf dem Zwischenseminar kennengelernt hatten. Zunächst hatte sich der Chef der Freiwilligen geweigert, uns aufzunehmen, weil es angeblich Probleme mit der Polizei geben könne, aber letztendlich war es kein Problem und wir sind zusammen mit den Beiden aus Westbengalen nach Orissa in die Nähe von Balasore gefahren.
Richtig: Orissa ist der Bundesstaat, um den es bei der Veranstaltung ging, die wir in Delhi besucht haben. Von alldem, was auf dem Treffen angesprochen wurde haben wir abgesehen von etwas erhöhten Sicherheitsvorkehrungen allerdings nichts mitbekommen. Dazu muss man natürlich sagen, dass wir nur sehr kurze Zeit da waren und sich solche Dinge in der Regel ja auch nicht auf offener Straße abspielen.
Das Projekt der Frewilligen liegt sehr abgelegen, inmitten von kleinen weit verstreuten Dörfern. Es handelt sich dabei um einen ziemlich großen Gebäudekomplex mit einer Augenklinik für die Behandlung der Stammesbevölkerung in dieser Region. Außerdem werden allgemeinbildende Schulen aufgebaut, um zu einem höheren Bildungsstandard beizutragen.

Wieder einmal in Hyderabad

Nachdem wir zwei sehr unterhaltsame Tage mit den Freiwillige verbracht hatten, sind wir dann am 1. Mai von Balasore zurück nach Hyderabad gefahren. Dabei hatte unser Zug ca. sieben Stunden Verspätung, sodass wir insgesamt 31 Stunden gebraucht haben.
Nach so langer Urlaubszeit haben wir uns dann natürlich sofort wieder an die Arbeit gemacht.

Meine Zeit in Nampally

Das Don Bosco Projekt in Nampally besteht aus einem Gebäude mit etwa 40 kleineren Schulkindern, die relativ früh dorthin kamen. Daher weisen sie in der Regel auch größere Zuverlässigkeit und Vernunft auf, als andere Kinder, die sehr lange auf der Straße gelebt haben oder anderweitig eine schwierige Kindheit hatten. Das Personal besteht aus einer Köchin, einem Streeteducator und drei weiteren Männern, die sich um alles Andere kümmern. Seit Juni sind noch drei katholische Schwestern dabei, die auch fleißig mitarbeiten.

Im Erdgeschoss befindet sich der Speiseraum für die Kinder, in dem sie zu bestimmten Zeiten Fernseh gucken und natürlich ihre Mahlzeiten einnehmen. Links geht es durch einen kurzen Flur zu einem Computerraum, einer Rezeption, einer Treppen in den ersten Stock und der Eingangstür.

Die andere Seite des Speiseraums. Links geht es zur Küche.

Die Küche mit Tür zum Lagerraum.

Der Gebetsraum im ersten Stock, in dem jeden Abend ein Rosenkranz gebetet wird. Sonntags gehen die Kinder zusammen mit den Angestellten in die Kirche und wenn der Direktor oder andere besondere Gäste vorbeikommen, gibt es auch eine Messe im Gebetsraum.

Im ersten Stock befindet sich außerdem das Esszimmer der Angestellten. Links geht es zur Küche.

Die Küche der Angestellten, die aber eigentlich nie genutzt wurde. Erst als im Juni die drei katholischen Schwestern dazukamen, wurde alles umgekrempelt. Sie haben die auf diesem Foto noch fast leere Küche mit allerlei Zutaten und einer Kochstelle ausgestattet, sodass jetzt ein paar zusätzliche Sachen, wie z.B. Joghurt, Tee oder bei Bedarf ganze Mahlzeiten zubereiten werden können.
Im ersten Stock sind außerdem noch mehrere Zimmer für Gäste und Angestellte.

Der Schlafsaal und die sanitären Anlagen der Kinder befinden sich im zweiten Stock.

Der Veranstaltungsraum ist im dritten Stock und wird vor allem zum Lernen und Hausaufgabenmachen benutzt.

Auf der Dachterrasse des Don Bosco Gebäudes in Nampally. Im Hintergrund sieht man Wasserkanister, wie sie hier in Indien zuhauf verwendet werden.

Der Blick von der Dachterasse.

Fast alle Jungen in Indien posen gerne für die Kamera.

Halligalli erfreut sich großer Beliebtheit. Die Kinder spielen allerdings meistens nach etwas seltsamen Regeln. Wenn ich ihnen dann die normalen Regeln erkläre, finden sie das Spiel häufig sogar noch besser.

Bei einem Ausflug zum nahegelegenen „Golconda Fort“. Auf der Bank sitzen die drei Glaubensschwestern und einer der Angestellten.

An einer der Schulen von den Kindern wurde eine Aktion veranstaltet, um Eltern davon zu überzeugen, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Die Schüler mussten erstmal eine Stunde lang auf dem Schulhof warten, bis die Lehrer auch soweit waren und dann sind wir ca. 30 Minuten lang um die nahegelegenen Häuserblocks gelaufen. Danach ging der Unterricht normal weiter.
Die Aktion ist zwar gut gemeint, aber ich bezweifle, dass auch nur eine einzige Person dadurch nachhaltig erreicht wurde. Es haben schon extrem wenig Leute überhaupt Notiz von uns genommen und es erscheint mir eher unwahrscheinlich, dass einige von denen dann auch noch zur Zielgruppe gehörten und aufgrund der spärlichen Informationen wirklich über die Sache nachgedacht haben.

Gruppenfoto von einigen Jungs aus den Don Bosco Projekten in Bhoiguda und Ramanthapur.

Das Sommercamp

Als ich nach Hyderabad zurückkam, hatten die Kinder gerade Sommerferien und ich bin jeden Tag mit ihnen zu einem nahegelegenen Park gefahren, in dem ein staatliches Sommercamp stattgefunden hat. Wir sind morgens um 10:00 Uhr hingelaufen, mittags wieder zurück zum Essen und danach nochmal hin, bis um 16:00 Uhr alles zu gemacht hat. Das Programm bestand aus malen, trommeln, tanzen, Karate, in der Kinderbücherei lesen, auf dem Spielplatz spielen und noch einigen anderen Angeboten. Am Sonntag hatte das Sommercamp geschlossen, sodass ich zumindest an einem Tag auch weiterhin Computerunterricht geben konnte.

Auf dem Weg zu dem Sommercamp im nahegelegenen „Public Garden“.

Beim Rumalbern mit den Kindern

Die Kinder beim Rumalbern.

Spielen auf dem Spielplatz war immer sehr beliebt, aber für die Kamera wird sogar das einmal unterbrochen.

Ab und zu ist natürlich auch mal eine Mittagspause nötig.

Einige der Kinder aus Nampally.

Streeteducation

Als die Schule für die Kinder wieder angefange hatte, habe ich sonntags weiterhin Computerunterricht gegeben und unter der Woche bin ich wieder zu Streeteducation gegangen. Wie ich schon im letzten Blogeintrag erklärt habe, geht es dabei darum, Straßenkinder davon zu überzeugen, dass Don Bosco eine sinnvolle Einrichtung für sie ist. Dazu bin ich in der Regel mit einem der anderen Streeteducater zum Bahnhof gegangen, um entsprechende Kinder ausfindig zu machen und direkt anzusprechen. Der Bahnhof ist deshalb so gut dafür geeignet, weil mit den Zügen immer neue Kinder sowohl aus der näheren Umgebung, alsauch aus anderen Bundesländern eintreffen.
Erschreckend ist dabei, dass die meisten angesprochenen einfach nicht mitkommen wollen. Obwohl wir ihnen alles erklären und Fotos zeigen, auf denen sie sehen können, was in dem Projekt so passiert und worum es dabei geht, wollen viele einfach nicht. Das liegt zum Teil daran, dass es Kommunikationsschwierigkeiten gibt und die Kinder gegenüber Fremden Erwachsenen ein großes Misstrauen haben. Nach dem, was viele von ihnen wahrscheinlich erlebt haben ist das natürlich auch kein großes Wunder. Andererseits gib es aber auch viele, die durchaus verstehen, worum es geht und auch glauben, dass die gesagten Dinge stimmen. Sie wollen ihre Freiheit auf der Straße allerdings häufig nicht aufgeben. Durch Betteln, Müllsammeln oder Arbeiten in einem Hotel können sie ausreichend Geld verdienen, um ein sehr schlichtes, aber unabhängiges Leben zu führen. Die Bedeutung dieser Aspekte wird auch dadurch deutlich, dass viele Kinder wieder abhauen, obwohl sie schon einige Tage bei einem Don Bosco Projekt verbracht haben. Sie finden es in vielen Fällen etwas langweilig und auf der anderen Seite beengend, sodass die Aussicht auf Entscheidungsfreiheit und eigenes Geld sie wieder auf die Straße zieht. Trotz allem haben wir bei der Streeteducation gelegentlich Erfolg und einige der Kinder bleiben auch bei Don Bosco.

Streichen

Wie man auf den Fotos erkennen kann, sind der Speiseraum für die Kinder und der Veranstaltungsraum nigelnagelneu gestrichen. Dieses Werk haben wir zusammen mit zwei andern Don Bosco Freiwilligen vollbracht.

Über Sport und Mord

Natürlich hatten wir auch Freizeit. An zwei Tagen in der Woche haben wir die Arbeit ruhen lassen und uns diversen Freizeitaktivitäten gewidmet.
Da wir uns vorgenommen haben, am 4. September den Usedeom-Marathon zu laufen, sind wir natürlich um etwas Training nicht herumgekommen. Ein- bis zweimal die Woche sind wir in einem nahegelegenen Park unsere Runden gelaufen. Meistens waren es so um die 21 Kilometer, aber für den Marathon hat das irgendwie nicht ausgereicht. Ich habe die Länge eines Marathons definitiv unterschätzt und so, wie ich jetzt hier sitze und schreibe, wird mir etwas mulmig bei dem Gedanken an den mir bevorstehenden Lauf. Da es aber eh kein zurück mehr gibt, werde ich einfach mein Bestes geben und sehen, was draus wird. Trotzdem wird es mit Sicherheit verdammt hart.
Abgesehen vom Joggen bin ich seit Anfang Juni regelmäßig ins Fitnessstudio gegangen.

Indien als Sportlernation

International ist Indien zwar nur in weniger anerkannten Sportarten wie Cricket, Hockey oder Schach bekannt, aber trotzdem ist es eine echte Sportlernation. In dem Park, wo wir Joggen waren, sind immer sehr viele Leute unterwegs und es wird gelaufen, Yoga gemacht, meditiert, Badminton gespielt, Kampfsport trainiert und noch vieles mehr. Sehr beliebt ist vor allem das Gehen. Mehr als eine Stunde lang ziehen manche Leute ihre Runden. Besonders überrascht war ich über die sporttreibenden Frauen in Burka. Sie haben sich einfach schicke Sportschuhe angezogen und sind mit ihrem Mann zusammen teilweise ziemlich lange und definitiv in sportlicher Absicht im Kreis gegangen. Manche haben auch Badminton gespielt.
Der Park ist allerdings keine Ausnahme. Auch andere Grünflächen werden für sportliche Aktivitäten genutzt und auf den Sportplätzen wird häufig Cricket oder Fußball gespielt. An vielen Stellen in den großen Städten befinden sich außerdem Fitnesstudios die sich großer Beliebtheit erfreuen, sie meisten jungen Inder möglichst stark und mächtig aussehen wollen.
Leider scheint das Wissen über die richtige Ausführung von sportlichen Übungen nicht bei allen vorhanden zu sein, was dazu führt, dass auch einiger Unfug zu sehen ist. Joggen in Flip-Flops und sehr ruckartiges Dehnen ist dabei noch harmlos. Im Fitnessstudio nehmen viele Leute extrem schwere Gewichte, die sie einfach nur irgendwie hochwuchten und im Ansinnen gut trainiert auszusehen, wird von fast allen nur der Oberkörper trainiert. Bauch und Beine fallen meistens völlig weg.
Abgesehen davon haben ein paar Inder etwas verdrehte Vorstellungen von Ernährung: Taubenfleisch hilft gegen Asthma, Granatapfelkerne sind gut gegen Fieber und warmes Wasser schützt vor Malaria. Das Seltsamste was ich gehört habe, war die Annahme, dass man, wenn man erst Wasser trinkt und dann Bananen isst abnimmt und wenn man erst Bananen ist und dann Wasser trink zunimmt. Vielleicht war es auch umgekehrt – das weiß ich nicht mehr so genau. Derartige Vermutungen werden durch manche Werbungen noch verstärkt. Genau wie in Deutschland wird bei jedem Produkt betont, wie besonders gesund es ist und einige Menschen glauben es dann auch… Gerade uns Ausländern wird ein großes Vertrauen in Sachen Sport und Ernährung entgegen gebracht. Immer wieder wurden wir nach Tips gefragt und jeder Ratschlag wurde dankbar angenommen.

Sonstige Freizeit

Neben dem Üblichen wie lesen, ins Internetcafé gehen und gelegentlichen Kinobesuchen, hatte ich die englischen Harry Potter Hörbücher für mich entdeckt. Einer der anderen Freiwilligen aus Hyderabad hat alle sieben Teile zur Hand und so habe ich sie mir nacheinander komplett angehört. Außerdem war ich noch ein wenig einkaufen und es gab natürlich die Fußball WM, deren Spiele wir auf dem Fernseher in unserer Wohnung prima mitverfolgen konnten.

Das Ende

Die Zeit ging einfach so vorbei und irgendwann war es dann schon an der Zeit nach Delhi aufzubrechen, um dort die letzten Tage zu verbringen. Also haben wir uns bei allen verabschiedet, unser überflüssiges Hab und Gut verschenkt und uns auf den Weg gemacht. Seit 5. August sind wir nun hier in Delhi und vertreiben uns die Zeit mit lesen, ein klein wenig Sightseeing und Internetrecherche.
Heute ist mein letzter Tag in Indien und ich kann es kaum erwarten, wieder in Deutschland zu sein. Der insgesamt elfmonatige Indienaufenthalt hat mir viel Spaß gemacht und mich auf unterschiedlichste Art und Weise voran gebracht. Er war eine große Bereicherung für mein Leben und meine Person, doch das wahre Ausmaß der Erfahrungen dieses Freiwilligenjahres wird sich wohl erst nach einiger Zeit in Deutschland zeigen. Und jetzt ist es an der Zeit genau dorthin zurückzukehren und einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Für alle die es noch nicht wissen: Ich werde mit Maria zusammenziehen und Politik und Geographie mit Lehramtsoption in Berlin studieren. Mit Sicherheit werden sich noch viele andere neue Dinge ergeben, aber die genannten Beiden bilden den Rahmen dazu.

Zum Abschluss möchte ich gerne noch auf das Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse verweisen, weil es mir durch den Indienaufenthalt sehr lieb geworden ist und ich momentan einen besonders intensiven Zugang zu seinem Inhalt verspüre.

Hermann Hesse

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Viele Grüße

Anton

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Zu aller erst: Ich habe eine neue Handynummer (siehe PS ganz unten).

Nach einer langen Odyssee bin ich letztendlich doch wieder in Hyderabad angekommen. Seit Anfang Mai bin ich wieder zu Hause und der Alltag ist eingekehrt. Nach den ganzen Abenteuern fühlt sich das echt gut an und ich finde auch wieder die Muße, um einen Blog Artikel zu schreiben. Es ist zwar, wenn man so auf den Kalender guckt, schon eine Ewigkeit vergangen, seit ich den letzten ausführlichen Eintrag geschrieben habe, aber ich werde trotzdem dort weiter berichten, wo ich aufgehört habe. In meinem Kopf sind viele der Erfahrungen noch sehr präsent und gerade Reisen sind ja besonders spannend.

Eines noch vorweg: Mein Laptop ist vor Kurzem einem Windows Systemfehler oder, was weniger wahrscheinlich ist, einem Virus zum Opfer gefallen und lässt sich nicht mehr hochfahren. Es handelt sich meiner Einschätzung nach um einen nicht gravierenden Fehler, der aber hier vor Ort auch nicht ohne ein Risiko von Datenverlust behoben werden kann. Dazu muss man sagen, dass ich wohl eher unqualifiziert bin und diese Einschätzung vor allem auf dem Internet und der Befragungen von deutschen und indischen Experten beruht.
Lange Rede kurzer Sinn: Es gibt fast keine Fotos, weil sie auf dem Laptop gespeichert waren und ich auf die Daten, nach einer hoffentlich erfolgreichen Reparatur, erst wieder in Deutschland zugreifen kann.

Die Invasion beginnt

Nachdem Anfang Februar meine Eltern hier in Indien gelandet sind, habe ich ihnen die Stadt gezeigt und wir sind für zwei Tage in die nahegelegene Stadt Bidar gefahren. In Hyderabad waren wir im hochmodernen IMAX-Komplex, um uns den Film Avatar in 3D anzuschauen und kurz darauf haben wir als Kontrastprogramm auch ein schäbiges Billigkino besucht und dort einen indischen Film genossen. Außerdem haben wir natürlich diverse Sehenswürdigkeiten besichtigt und es wurden bei einem sowieso geplanten Willkommensprogramm von Don Bosco für zwei neue Freiwillige extra die Namen meiner Eltern mit eingefügt, sodass sie auch einen Einblick in die immer sehr ähnlichen, aber trotzdem spektakulären Programmpunkte einer Don Bosco Aufführung gewinnen konnten. Das Programm war so ungefähr Tanz, Tanz, Tanz, Rede vom Direktor, Übergabe von selbst gemalten Bildern und Freundschaftsbändchen durch die Kinder und wieder Tanz, Tanz, Tanz. Das absolute Highlight dabei war ein Tanz, bei dem im Original eine junge Frau einen wichtigen Part hat, welcher aus Mangel an richtigen Mädchen von einem mit Perrücke und Rock verkleideten Jungen  übernommen wurde. Das war überraschenderweise gar kein Problem und wobei sich in Deutschland die meisten Junge in dem Alter geschämt hätten, wurde hier extra laut applaudiert und die Stimmung war auf dem Höchstpunkt. Um sich auf die lange Reise vorzubereiten, war Georg noch beim Friseur, Petra bei einer Massage und wir haben Klamotten eingekauft. Für „Ihn“ ein Hemd und eine Shorts und für „Sie“ einen Punjabi. Der Punjabi ist neben dem Saree das Outfit schlechthin. Hier in Indien lässt sich so gut wie keine Frau außerhalb der Großstädte mit etwas anderem Blicken und auch die offiziellen Uniformen der Frauen z.B. als Schülerinnen, Krankenschwestern, Schaffnerinnen oder Security bestehen aus Punjabis oder Sarees. In den Großstädten sind es fast nur die Reichen, die von der Kleidung her, aber auch anderweitig, den westlichen Lebensstil anstreben. Wer interessiert ist, kann sich mit den folgenden Links ein Bild von dem jeweiligen Kleidungsstück machen: Punjabi, Saree.
Alles in allem haben meine Eltern in der ersten Zeit schon Mal einen Einblick in die sich so drastisch von Deutschland unterscheidende indische Kultur gewonnen.

Nach genau einer Woche ist dann auch meine Freundin Maria wohlbehalten eingetroffen und wir haben uns alle zusammen auf den Weg gemacht, Südindien zu erkunden. Für Maria gab es somit keine einwöchige Eingewöhnungsphase bevor es losging, aber sie ist ja auch noch bedeutend jünger und schon mit afrikanischen Wassern gewaschen. Da ging das auch so.

Die Auswahl von Zielen

Wir haben uns einfach mit dem Reiseführer und einer Karte hingesetzt und rausgesucht, welche Orte einen interessanten Eindruck machen, gut erreichbar sind und sich in eine Gesamtroute einfügen lassen. Das hat sehr gut funktioniert und auch nach meinen weiteren Reisen zusammen mit Erik kann ich bestätigen, dass man auf diese Art und Weise, gekoppelt mit einem gewissen Maß an Spontanität bzw. Flexibilität, angenehm reisen kann.
Die Standardtransportmittel über lange Strecken sind der Bus und der Schlafwagen vom Zug und in den besiedelten Gebieten gibt es für kurze Strecken dann fast immer irgendeine Art von Taxi. Das Herumreisen dauert zwar aufgrund der großen Distanzen häufig sehr lange und ist dadurch auch etwas anstrengend, aber über  fehlende/ausfallende Verbindungen oder Verspätungen muss man sich in der Regel keine Gedanken machen. Für den Zug muss bei einigen Strecken allerdings zeitig reserviert werden.

Unsere Reiseroute durch Südindien.

Unsere Reiseroute durch Südindien.

Hampi

Auf die beschriebene Art und Weise haben wir uns für Hampi als erstes Reiseziel entschieden. Die Stadt ist für ihre vielen besonders beeindruckenden hinduistischen Tempel bekannt und wir haben in den paar Tagen wirklich den Tempel Bedarf für die gesamte Reise abgedeckt. Außerdem habe ich das erste, aber nicht letzte, Mal in Indien frei rumlaufende Affen gesehen.
Es waren natürlich auch viele andere ausländische Touristen unterwegs und in der Gegend, wo sich unsere Zimmer befanden, waren in ca. 500 Meter Umkreis nur andere Unterkünfte mit Bleichgesichtern und die entsprechende Infrastruktur (Internet Cafés, kleine Gemischtwarenläden und Restaurants mit westlichen Speisekarten). Alles ähnlich wie in Goa und durch weitläufige Reisfelder in der Mitte der Anlage und den Ausblick auf viele kleinere und größere Granitfelsen auch nicht weniger idyllisch. In der Stadt und bei den Tempeln haben allerdings die indischen Pilger und Touristen eindeutig dominiert, wodurch die Atmosphäre sehr angenehm und viel authentischer war.

Mysore

Von Hampi aus sind wir nach Mysore gefahren. Dort haben wir neben der Stadt an sich, einigen der vielen Kunsthandwerksläden und dem Markt natürlich auch den ehemaligen Palast des Maharadschas besichtigt. Da diese Sehenswürdigkeit auch von vielen internationalen Touristen besucht wird und sich die Verantwortlichen offenbar besonders viele Gedanken gemacht haben, gab es einen sogar für deutsche Verhältnisse außerordentlich informativen und gut konzipierten mehrsprachigen Audioguide. Da war ich nach dem, was ich bisher von Indien mitbekommen hatte, wirklich beeindruckt.
Eine weitere Attraktion war auf jeden Fall der Markt mit seiner geschäftigen Atmosphäre. Dort gab es Lebensmittel, Parfüm, Töpfe und alles, was so zum Kochen dazugehört. Das Bedeutendste davon war der Fleischmarkt. Dass es so etwas gibt… Es lag der Geruch von rohem Fleisch in der Luft und das Blut floss in extra angelegten Abflussrinnen über den Boden. Die Tiere wurden direkt vor Ort geschlachtet und es wurde fast jeder Bestandteil zum Verkauf angeboten: Schafskopf, Lunge, Darm, Herz, Hirn, Niere, Leber, Hühnerfüße. Es gab einfach alles. Das Ganze war eine sehr einprägsame Erfahrung. Beim Anblick der vielen toten Tiere und vor allem deren Verarbeitung habe ich mich definitiv unwohl gefühlt. Wer sieht schon gerne jemanden mit einem Hackebeil im Akkord Schafsköpfe Spalten und das Gehirn herausschneiden? Ich hatte hier in Indien bisher nur einmal ähnliche Empfindungen und das war als wir im Projekt Kaninchen geschlachtet und gehäutet haben. Es ist wirklich ein unerfreuliches Handwerk. Andererseits muss ich auch ehrlich zugeben, dass diese Erfahrungen nicht ausreichen, um mich vom Fleisch Essen abzuhalten.

Mudumalai Nationalpark

Auf der Busroute von Mysore nach Ooty sind wir für eine Nacht im Mudumalai Nationalpark ausgestiegen. Dort haben wir am ersten Tag Elefanten besucht, bei ihrer Fütterung zu gesehen und am Abend eine Jeeptour gemacht, bei der wir im Scheinwerferlicht Büffel, Rehe, Hirsche, Affen und einen Bären gesichtet haben.
Nebenbei haben wir erfahren, dass das gesamte Pflegepersonal für die Elefanten und anderen Tiere aus von der Regierung angestellten Eingeborenen besteht. Dieses Konzept finde ich sehr gelungen, weil der indigenen Bevölkerung abgesehen von dem Lohn auch ein bestimmtes Maß an Siedlungsraum, Holzsammel und Jagen zugestanden wird und sie dadurch immer noch traditionell leben kann. Sie wurde eben nicht vertrieben, wie es so oft der Fall ist, sondern integriert.
Am nächsten Morgen sind wir sehr früh aufgestanden und haben eine dreistündige, geführte Wanderung durch den Nationalpark gemacht. Dabei haben wir auch nicht mehr, als die oben genannten Tiere ohne den Bären gesehen, aber es hat Spaß gemacht einfach nur durch die Wildnis zu laufen und immer wieder, auf Rudel von wilden Tieren zu treffen. Von der Landschaft war ich zunächst zwar etwas enttäuscht, weil ich eher Dschungel, als Steppe erwartet hatte, aber letztendlich habe ich trotzdem schöne Aussichten genossen.
Auf dem Rückweg von der Wanderung habe ich dann noch mein persönliches Highlight erlebt: In dem ganzen Nationalpark waren immer wieder ziemlich coole schwarze Affen mit langem Schwanz unterwegs und da habe ich auf der Fahrt unseren Führer gefragt, ob man die nicht auch mal füttern könne. Da wir noch als Proviant vorgesehene Bananen übrig hatten, hat er dann bei einer Gruppe Affen angehalten und die wussten sofort was los ist. Bevor ich die Bananen überhaupt richtig auspacken konnte, waren schon mehrere Affen auf den Jeep gesprungen und ein besonders niedliches Exemplar mit einem Baby um den Bauch hat gierig nach den Bananen gegrapscht. Ich habe dann ganz schnell alles hergegeben und wurde sogar noch gekratzt. Trotzdem war es echt süß, wie der Affe da saß, nach den Bananen gefischt hat und alles in Windeseile aufgemampft war. Als wir zurück waren habe ich mich sofort auf den Weg gemacht, um noch mehr Affen zu suchen und ihnen all mein Essen anzudrehen, aber leider waren gerade zu dem Zeitpunkt keine mehr aufzufinden.

Ooty

Nach dem kurzen Aufenthalt im Nationalpark haben wir dann wieder den Bus genommen und sind weiter zur Bergstadt Ooty gefahren. Einem sehr idyllischen Ort inmitten von Bergen und Teeplantagen. Keine großen Straßen, kein Verkehrslärm und frische Bergluft, die abends sogar einen Pullover erforderlich macht. Außerdem gab es Schokolade! Leckere selbst gemachte Schokolade verschiedenster Art (Weiße, schwarze, mit Rosinen, mit Nüssen, mit Datteln). Keine Ahnung wo sie herkam, aber es gab sie an jeder Straßenecke und zusammen mit indischen Brötchen (Toastbrotteig in Brötchenform) hat sie jeden Morgen mein normalerweise indisches Frühstück ersetzt. Hier in Hyderabad gibt es natürlich auch ganz normale abgepackte Schokolade, aber die ist teurer als in Deutschland und definitiv nicht so lecker.
Außer dem Schokolade Essen haben wir auch noch das Tee Museum besucht, sind durch die Stadt geschlendert, waren in den Teeplantage spazieren und ich habe mit Maria eine einstündige Reittour gemacht. Reiten ist vielleicht stressig! Ich weiß echt nicht, wie die all die reitenden Herr der Ringe Schauspieler gecastet haben. Entweder das sind alles Spezialeffekte und in Wirklichkeit müssen die gar nicht reiten können oder sie haben erst mal ein ziemlich ausführliches Reittraining absolviert oder ich bin einfach unbegabt. Das ganz normale Gehen war ja noch in Ordnung, aber sobald das Pferd angefangen hat so komisch zu hopsen konnte ich nur noch komplett im Steigbügel stehen oder meinen Hintern leiden lassen. Am Ende ging es etwas besser und ich bin ein wenig mitgewippt, aber von elegantem oder auch nur entspanntem Reiten war das trotzdem meilenweit entfernt.
An einem Tag haben wir auch das Tribal Museum einige Dörfer weiter besucht und so einiges über die vielen verschiedenen eingeborenen Stämme in der Umgebung erfahren. Bei ihnen lief es nicht so gut, wie im Nationalpark. Sie wurden seit Beginn der Kolonialisierung durchgehend zurückgedrängt und zur Assimilierung gezwungen. Später habe ich von anderen Freiwilligen, die an unterschiedlichen Orten Indiens mit Ureinwohnern arbeiten, und bei einer politischen Veranstaltung in Delhi erfahren, dass die indigene Bevölkerung immer noch großer Ausbeutung, Diskriminierung und Vorurteilen ausgesetzt ist. Für viele Inder sind sie einfach nur Waldmenschen, die grundsätzlich weniger Intelligenz besitzen und den Affen vielleicht doch etwas näher sind, als dem Homo sapiens sapiens. Das geht sogar so weit, dass sich Schulen weigern Stammesangehörige aufzunehmen und sich ansonsten nette Lehrer gegenüber Freiwilligen über die den Schuldurchschnitt ruinierende geistige Zurückgebliebenheit der Stammesangehörigen beschweren.

Fort Cochin

Von Ooty aus sind wir unter anderem auf einer sehr schönen, durch Berge, Täler und Teeplantagen führenden Bahnstrecke nach Coimbatore gefahren, von wo aus wir planmäßig direkt am nächsten Tag nach Fort Cochin weitergereist sind. Dort war das Klima durch die hohe Luftfeuchtigkeit sehr schwer erträglich und im Zimmer musste man ca. alle 45 Minuten duschen und sich halb nass unter den Ventilator legen, um sich überhaupt einmal frisch zu fühlen. Ansonsten war es vor allem sehr touristisch. Überall Kunsthandwerksgeschäfte, westliche Restaurants und nervende Rikschafahrer.
Rikschas sind übrigens die dreirädrigen Taxis, die überall in Indien herumkurven und deren Fahrer sehr gerne Touristen zu drastisch erhöhten Preisen befördern. Viele Rikschafahrer in Fort Cochin haben zu erstaunlich günstigen Preisen eine einstündige Besichtigungstour angeboten und da haben Maria und ich nach einiger Zeit zugeschlagen. Wir haben einen ziemlich coolen Fahrer erwischt, der uns auch gleich erklärt hat, warum die Touren so preiswert sind: Fast alle Kunsthandwerksläden in der Umgebung bieten jedem Rikschafahrer eine Prämie, der Touristen in den Laden lotst. Mal ist es ein Shirt, mal Bares und mal eine Provision. Für jeden Touristen gibt es einen Punkt und bei genügend Punkten gibt es die Prämie. Der Trick ist, dass es die Prämien, so lange sie nicht aus Provision auf gekaufte Artikel bestehen, unabhängig davon gibt, ob der Tourist etwas kauft oder nicht. So haben wir letztendlich unsere Tour auf über drei Stunden ausgeweitet und musste als Gegenleistung einfach nur bei an paar Läden anhalten, kurz reingehen und wieder rausgehen. Das Lustige dabei ist, dass die meisten Rikschafahrer ihren Kunden direkt sagen, dass sie nur reingehen und nichts kaufen müssen. Entweder die Ladenbesitzer kriegen das nicht mit oder es ist ihnen ziemlich egal, weil viele Touristen sowieso was kaufen, auch wenn sie eigentlich nur reingehen, um günstiger Rikscha zu fahren. Auf diese Art und Weise lies sich prinzipiell sogar komplett kostenlos Rikscha Fahren. Das einzige Problem dabei ist, dass es nach einer Weile ziemlich stressig wird, wegen umgerechnet vielleicht 30 Cent, fünf Minuten lang in einem Laden von dem Verkäufer vollgequatscht zu werden.
Alles in allem gab es in Fort Cochin nur einige eher durchschnittliche Sehenswürdigkeiten und gute Fischrestaurants. Außerdem habe ich mir in einem der unzähligen Läden ein ordentliches Schachbrett für die zukünftig hoffentlich regelmäßig stattfindenden Schachpartien in Deutschland gekauft.
Abgesehen davon hat uns ein von der staatlichen Touristeninformation organisierter Tagesausflug in die allseits gepriesenen Backwaters geführt. Die Tour war zusammen mit anderen Touristen und der erste Teil bestand aus einem Hausboot Trip durch die großen Kanäle und Seen mit einem Stop auf einer Insel und einigen Erklärungen zu Lebensweise und Arbeit der Anwohner: Sie haben nicht auf allen Inseln Strom und müssen für fast jede Besorgung mit einem Kanu zum Festland fahren; Wenn sie etwas genießen oder sich betrinken wollen bevorzugen sie einen aus der Kokosnussblüte stammenden leicht angegorenen Saft, den es in ähnlicher Form auch hier in Hyderabad gibt; Viele Anwohner fischen und sammeln Muscheln, die zum Verzehr verkauft oder zu Kalkpulver verarbeitet werden.
Nach einem Mittagessen auf dem Hausboot folgte der zweite Teil der Tour, welcher aus einer Fahrt im Kanu durch die engeren Kanäle der Backwaters bestand. Dazu muss ich sagen, dass es auf jeden Fall idyllisch war und die Palmen eine besondere Atmosphäre schaffen, ich aber die Kanäle im Spreewald eindrucksvoller finde.

Gokarna

Nach so langem Herumreisen und Sight Seeing sind wir nach Gokarna an den Strand gefahren, um uns eine Pause zu gönnen und auch mal diese Seite Indiens kennen zu lernen. Es war dem, was ich bereits früher von Goa beschrieben habe sehr ähnlich, nur ruhiger und idyllischer, als die Orte, die ich in Goa gesehen habe. Der Strand war separat, ca. drei Kilometer von der Stadt entfernt und es gab dort ausschließlich viele Unterkünfte direkt am Wasser (ca. 30 Meter) und viele Restaurants. Ansonsten war da nichts. Natürlich wieder westliches Essen und fast nur ausländische Touristen, aber was soll‘s? Wir haben einfach am Strand und im Wasser entspannt, gelesen und die Seele baumeln lassen.

Mumbai

Mit neu getankter Energie sind wir dann auf nach Mumbai, der ca. 17 Millionen Einwohner starken Finanzmetropole Indiens. Es ist mit seiner durch den Platzmangel noch erhöhten Enge, der Überfülltheit, dem vielen Verkehr und der Verschmutzung den anderen indischen Großstädten sehr ähnlich, aber trotzdem ganz anders. Ich finde Mumbai ist eine wirklich schöne Stadt. Durch die vielen westlichen Touristen und Gastronomie- und Modeketten wirkt es sehr international und überall findet man mehr oder weniger kreativ gestaltete Hochhäuser, alte Kolonialbauten und andere Gebäude, die in anderen Städten als Hauptattraktion gelten würden. Dementsprechend ist Mumbai auch preislich mit keiner anderen indischen Großstadt zu vergleichen. Ob Unterkunft, Essen, Taxi fahren und ins Kino gehen – fast alles ist teurer. Davon haben wir uns aber nicht abschrecken lassen, die vielen Sehenswürdigkeiten zu erkunden und die Vorzüge der Großstadt zu genießen.
Wir waren in den unterschiedlichsten Bezirken der Stadt, die von dem absoluten Bonzenviertel bis zum größten Slum Asiens die gesamte Bandbreite abdeckt, sind an der Strandpromenade entlangspaziert, waren im Mani Bhavan (Museum in Mahatma Gandhis ehemaligem Wohnhaus in Mumbai) und haben in einem bis ins kleinste Detail westlichem Standard entsprechenden Café Erdbeershake getrunken. Dazu muss gesagt werden, dass ich so etwas in Indien bisher auch noch nicht gesehen hatte. Natürlich gibt es überall edle und teure Hotels oder Restaurants, aber eigentlich ist es trotzdem nie makellos. Ein Riss in der Wand, ein Fleck auf dem Boden, angeschlagenes Geschirr, total dreckige Fensterscheiben, schäbige Speisekarten, wackelnde Tische, tropfende Wasserhähne, gesprungene Fliesen, rülpsende Kellner oder ein Plastikhandschuh im Sub des Tages (ein Sandwich der Fastfoodkette Subway) – es gibt eigentlich immer irgendetwas, woran man noch eindeutig erkennen kann, dass man in Indien ist. Nicht aber in Mumbai. Hier war es an vielen exklusiven Orten einfach makellos. Bei der Sache mit dem Sub des Tages ist Erik übrigens zum Schalter gegangen, um sich zu beschweren, woraufhin die Angestellten einfach den Handschuh rausgenommen haben und ihm dasselbe Sandwich wiedergeben wollten…
Am (Datum wird nach Verifizierung hier eingefügt) sind meine Eltern von Mumbai aus zurück nach Deutschland geflogen und Maria und ich haben noch zwei weitere Tage dort verbracht, bevor wir weiter nach Pune gereist sind.

Pune

In Pune haben wir uns natürlich auch wieder einfach die Umgebung angeguckt, waren im 3D Kino „Alice im Wunderland“ gucken und haben den Bhagwan/Osho Ashram besucht. Im Reiseführer stand, man könne auch an Besichtigungstouren durch die Anlagen des Ashrams teilnehmen, aber wir wurden an der Rezeption ziemlich schnell abgefertigt und auf die virtuelle online Tour als einzige Besichtigungsmöglichkeit verwiesen. Also konnten wir nur das rege Treiben auf der Straße betrachten: Viele, viele ausschließlich in rote Roben gekleidete indische und internationale Mitglieder, die zwischen den Veranstaltungen hin und her eilen. Eine Deutsche, die ich angesprochen hatte, war total begeistert und meinte das Angebot sei riesig, sodass sie von morgens bis abends unter professioneller Anleitung Yoga und Meditation erlernen könne.
An einem Tag haben wir außerdem den Zoo besucht, der erstaunlich gut ausgestattet war und neben einem etwas betagten weißen Tiger eine Vielzahl an Reptilien zu bieten hatte.

Abschied

Nachdem wir letztendlich wieder in Hyderabad angekommen waren, haben wir noch ein paar wunderschöne gemeinsame Tage verbracht. Erik hatte kurz vor unserer Abreise schon die neue Wohnung bezogen und ich bin dann zusammen mit Maria und meinem Gepäck auch gleich dort hin umgezogen. Wir haben zusammen mein Zimmer eingerichtet, einige Besorgungen gemacht und die letzte Zeit zu Hause in trauter Zweisamkeit genossen.
Am 18.März war es dann so weit und ich habe Maria früh morgens zum Flughafen gebracht, von wo aus sie nach intensiver Verabschiedung, problemlos wieder nach Deutschland geflogen ist.

So endet der Bericht der Reise mit meinen Liebsten aus meiner Perspektive. Jetzt ist es an euch Petra, Georg und Maria euren Beitrag zu leisten! Wenn euch noch irgendetwas einfällt, (ein Erlebnis, ein Eindruck oder ein Detail zu dem schon beschriebenen) schreibt es mir per Email, so dass ich euch als exklusive Sonderkorrespondenten in den Blog integrieren kann. Außerdem brauche ich natürlich Fotos (meine sind mir ja vorerst abhanden gekommen). Schickt mir bitte Fotos, die das bisher beschriebene darstellen/unterstützen und falls ihr auch welche findet, zu denen ihr etwas erzählen möchtet, ist das natürlich noch besser. Zwei Wünsche habe ich schon: ein Foto aus einem Schlafwagen und ein Foto von einer Rikscha (am besten mit uns drin).

Alles neu

Nachdem Maria wieder zurückgeflogen ist, habe ich mit Erik einen völlig neuen Abschnitt unseres Freiwilligendienstes begonnen. Nicht nur die Wohnsituation hat sich verändert, sondern auch der Arbeitsplatz. Vorher hatten wir ja direkt auf dem Projektgelände gelebt und gearbeitet, doch mit dem Umzug wurde dann auch der von vorneherein geplante und schon lange überfällige Wechsel zu einer anderen Zweigstelle des Projektes verwirklicht.
Es gibt von Don Bosco hier in Hyderabad insgesamt drei Projektstandorte mit unterschiedlichen Funktionen. Alle Abteilungen kümmern sich ausschließlich um Kinder mit sehr problematischem familiären Hintergrund. Einige sind Waisen, andere sind aus unterschiedlichen Gründen von zu Hause weggelaufen und wieder andere wurden Vertrieben. Dadurch haben die Meisten über kurze oder lange Zeit auf der Straße gelebt und sich durch Betteln oder Kinderarbeit über Wasser gehalten, bis sie dann zu Don Bosco gekommen sind. Erstaunlich viele der Kinder haben allerdings immer noch bzw. wieder Kontakt zu Familienangehörigen, bei denen sie sogar teilweise den Urlaub verbringen. Trotzdem lässt es die Familiensituation in den meisten Fällen aufgrund von Armut oder Unwillen der Familienangehörigen nicht zu, dass die Kinder nach Hause zurückkehren. Bei dem so genannten „Home Placement“ wird allerdings kontinuierlich und gelegentlich erfolgreich versucht, durch Aufbau von Kontakt zu den Familienangehörigen, den Kindern eine Rückkehr nach Hause zu ermöglichen. Dabei soll natürlich auch sichergestellt sein, dass die Kinder zu Hause angemessen behandelt werden und weiterhin eine Ausbildung irgendeiner Art genießen können.
Bis Februar hatten wir gemeinsam in der als „Technical School“ bezeichneten Abteilung gearbeitet. Dort wird den etwas älteren und schon mit dem Projekt vertrauten Kindern, die nicht in der Lage bzw. willens sind eine Schule zu besuchen, eine Art praktische Ausbildung in verschiedenen Bereichen (Bäckerei, Tischlerei, Schweißerei, Elektronik/Klempnerei, Schneiderei und Druckerei) ermöglicht. Außerdem sind auf dem Gelände noch einige kleinere und größere Schulkinder und einige Studenten untergebracht.
Seit unserem Umzug haben wir uns auf die verbleibenden zwei Standorte aufgeteilt und starten jetzt jeden Morgen von unserer Wohnung aus zum jeweiligen Arbeitsplatz.
Erik fährt zu der Auffangstation für die direkt von der Straße kommenden neuen Kinder, von wo aus er zusammen mit anderen Angestellten zum nahegelegenen Bahnhof geht und bei der so genannten „Street Education“ versucht, Straßenkinder von den Vorzügen eines Aufenthalts in den Don Bosco Projekten zu überzeugen.
Ich begebe mich zu der Abteilung mit ca. 40 kleinen Schulkindern, die relativ früh von der Straße geholt wurden. Im März waren die Kinder bis um ein Uhr in unterschiedlichen öffentlichen Schulen, sodass ich auch zusammen mit einem Angestellten zu den nahegelegenen, von Straßenkindern stark frequentierten Stellen ausgerückt bin, um Kinder von der Straße zu holen. Am Nachmittag habe ich dann Computerunterricht für die Schulkinder gegeben. In dem Projekt gibt es sechs Computer, an denen ich den Kindern in kleineren Gruppen den Doppelklick, das Tippen und den Umgang mit Textverarbeitungsprogrammen beigebracht habe.

Bis Ende März waren noch Eriks Mutter, Schwester und ein Freund von ihm da, Anfang April sind Erik und ich dann nach Neu-Delhi zu unserem Zwischenseminar gefahren und danach haben wir noch bis Anfang Mai Urlaub in Nordindien gemacht. Von dem Urlaub und der Zeit danach berichte ich dann im nächsten Blogeintrag, sodass der Blog zur Abwechslung auch mal wieder komplett aktuell wird.

Bis dahin kann ich nur sagen, dass es mir weiterhin hervorragend geht und die fast komplett neue Situation einen willkommenen frischen Wind in den Freiwilligendienst bringt. Es ist fast so, als würde man in dem einen Jahr zwei unterschiedliche Freiwilligendienste erleben.

Home Sweet Home

Zu guter Letzt habe ich noch einige top aktuelle Fotos und Informationen zu unserer Wohnung:

Aus der Eingangstür heraus fotografiert: unser Wohn- und Esszimmer, in dem wir im nächsten Monat die ein oder andere Nacht vor dem ansonsten überhaupt nicht genutzten Fernseher verbringen werden. Es läuft ja schließlich die Fußball Weltmeisterschaft! Die Tür geradeaus führt zur Küche und das Fenster zeigt auf den Balkon, der per Definition eigentlich gar kein richtiger Balkon ist.

Unsere Küche mit Gasflasche zum Kochen. Morgens gibt es immer Cornflakes, mittags essen wir bei der Arbeit und abends kochen wir uns meistens Reis und manchmal Nudeln mit einer immer etwas unterschiedlichen eintopfartigen Gemüsemischung. Wer sich fragt, warum die Cornflakes an einem Seil herunterhängen, sei hiermit auf die in immens großer Zahl überall her- und hinkommenden, rücksichtslos randalierenden Ameisen hingewiesen. Sie sind übrigens nicht nur in der Küche, sondern auch im Bad und in meinem Zimmer, obwohl es da überhaupt nichts zu plündern gibt. Am Anfang haben wir versucht sie mit Duftstoffen fern zu halten, aber mittlerweile haben wir eine absolut geniale, alles vernichtende Tötungskreide. Die kann ich wirklich jedem empfehlen, der mit Ungeziefer zu kämpfen hat. Man muss damit nur einen kleinen Strich mitten in die Ameisenstraße oder in deren Nähe malen und alle finden das extrem lecker, essen davon, bleiben ein paar Minuten später reglos stehen und sind nach weiteren 20 Minuten einfach tot. Ich bin wirklich nicht gerne ein Massenmörder, aber die Ameisen hatten einfach alles belagert und uns somit keine andere Wahl gelassen. So ein mit Säure gekoppelter Ameisenbiss ist auch echt unangenehm. Rechts neben der Cornflakestüte ist noch eine auf dem Foto nicht zu sehende Tür zu unserem Balkon.

Der nicht vorstehende, sonder ins Haus integrierte Balkon ist an sich zwar keine Bereicherung, aber dafür beheimatet er unsere Waschmaschine. Als ich zum ersten Mal gehört habe, dass unsere Wohnung eine Waschmaschine hat, war ich hellauf begeistert und habe so etwas erwartet, wie wir in Deutschland haben. Leider musste ich dann feststellen, dass Wasserzufuhr und Abfluss manuell geregelt werden müssen, wodurch das Waschen immer noch gelegentliches Eingreifen erfordert. Außerdem ist der Wasserzulauf so spärlich, dass zusätzliches Wasser mit Eimern nachgekippt werden muss und der Abfluss auf dem Balkon ist etwas klein, sodass man den Abfluss der Waschmaschine nur in Intervallen öffnen kann. Ist man zu ungeduldig und entlässt alles Wasser auf einmal, wird nicht nur der Balkon, sondern auch die Küche und das Wohnzimmer überflutet. Aber ich will mich wirklich nicht beschweren! Immer hin wird das eigentliche Waschen durch das automatische Schleudern übernommen, was im Gegensatz zur Handwäsche schon ein riesiger Vorteil ist.

Noch mal unser Wohnzimmer mit Blick auf den Kühlschrank (ganz links), das Gästezimmer (links), mein Zimmer (mitte) und das Badezimmer (rechts). Gegenüber von meiner Zimmertür ist noch die Tür zu Eriks Zimmer.

Mein Zimmer. Das Bett habe ich zum Zwecke der besseren Belüftung und des Moskitoschutzes direkt unter den Ventilator geschoben, wo drunter das Qi in meinem Zimmer allerdings sehr zu leiden hat. Trotzdem fühle ich mich hier sehr wohl. Am Anfang hatte ich noch alle Fenster geschlossen und komplett mit Klopapier und Tesafilm versiegelt, um mich zusätzlich gegen die Mücken zu schützen, aber mit steigenden Temperaturen konnte meine Festung nicht mehr stand halten. Ohne Lüften war es einfach unerträglich. Also habe ich alles aufgegeben und die Fenster sind mittlerweile ununterbrochen geöffnet. Der Ventilator leistet aber gute Dienste, indem er die meisten Mücken daran hindert, sich unter seinem relativ starken Luftstrom aufzuhalten.

Die seit ich zurückdenken kann vor meinem Zimmerfenster existierende Baustelle, auf der unermüdlich gehämmert, gerufen und gepoltert wird. Eigentlich ist es den ganzen Tag über (vor allem früh morgens und spät abends) ziemlich laut, aber daran gewöhnt man sich in Indien und einen spannenderen Ausblick kann ich mir kaum vorstellen. Ich verbringe manchmal einfach einige Minuten damit, den Bauarbeitern bei der Arbeit zuzusehen und die Früchte ihrer Anstrengungen zu bestaunen. Am Anfang waren sie noch dabei Löcher für das Fundament zu buddeln und jetzt sind sie schon beim zweiten Stock. Wie die fleißigen Ameisen (mit Ameisen kenne ich mich mittlerweile ziemlich gut aus) wuseln die Arbeiter herum und wissen irgendwie instinktiv, was zu tun ist. Außerdem scheinen sie bei Zeiten eine ausgeprägte Gabe fürs Nichtstun zu haben, wobei ich sie auf keinen Fall als faul bezeichnen würde. Manchmal sitzen/stehen sie halt einfach rum und schauen ihren Kollegen bedächtig bei der Arbeit zu oder unterhalten sich, um ein paar Minuten später wieder irgendwo mit einzusteigen. Ich bin mir sicher, dass es sich dabei um keine regulären Pausen handelt, aber es wird allgemein akzeptiert und ich habe das Gefühl, dass die Selbstbestimmung bei der Arbeit so groß ist, dass der Wille zur Leistung dadurch gesteigert wird. Die Bauarbeiter machen fast den Eindruck, als wären sie alle gute Freunde, die das Haus für sich selber bauen. Es gibt keine Anzeichen von Hierarchie, Stress oder lästiger Erwerbstätigkeit, sondern jeder leistet zu seiner Zeit den eigenen Beitrag und so entsteht am Ende ein großes Haus. Wenn ich die Wahl hätte, entweder den ganzen Tag ohne weitere Beschäftigung auf der Baustelle herumzusitzen oder ein paar Sachen zu tragen, Nägel einzuhämmern und Beton zu mischen, würde ich auch Letzteres wählen. Man muss dazu sagen, dass die gleiche Anzahl deutscher Bauarbeiter auch mit ähnlich primitiver Ausrüstung höchst wahrscheinlich um ein Vielfaches schneller wäre, aber dafür ist die Freiheit bei der Arbeit geringer und die Stimmung bestimmt nicht so gut.

Mein indisches Badezimmer, in dem ich zwei bis drei Mal am Tag eine erfrischende Dusche mit lauwarmem Wasser genieße (ich habe übrigens auch eine Dusche von oben, die auf dem Foto nicht sichtbar ist). In der Sommerzeit sind hier 43°C normal und da ist ein Ventilator und häufiges Duschen unverzichtbar. Leider müssen wir trotzdem gelegentlich darauf verzichten. Hier in der Stadt gibt es nämlich aufgrund von chronischer Strom-Unterversorgung notwendige, geplante, jeden Tag zur gleichen Zeit einsetzende und meistens eine Stunde dauernde Stromausfälle. Leider gibt es gelegentlich auch unregelmäßige Stromausfälle, die dazu führen können, dass ich nachts schweißgebadet aufwache und nicht mehr einschlafen kann, weil mein Ventilator sich nicht dreht. Außerdem gibt es an manchen Tagen auch kein Wasser. Diese Zeit können wir allerdings mit unseren in Eimern aufbewahrten Reserven überbrücken. Alles in allem komme ich mit den hohen Temperaturen mittlerweile wirklich gut zurecht. Man ist halt grundsätzlich einfach etwas ruhiger.

Eriks Zimmer, das links noch zu einem weiteren Badezimmer führt.

Eriks Badezimmer. Ja, Erik hat sogar eine westliche Toilette, aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass das Hocken über den indischen Toiletten nach einer gewissen Eingewöhnungszeit nicht mehr unentspannt ist und das Geschäft sogar angenehm beschleunigt.

Bevor dieser Blogeintrag endgültig zu Ende ist, möchte ich auch noch grob meinen aktuellen Tagesablauf beschreiben:
Morgens stehe ich um 7:30 Uhr auf, verbringe einen entspannten Morgen, dusche, frühstücke (Cornflakes, Mango und Banane) und mache mich um 8:30 Uhr auf den Weg zur Arbeit. Nach ca. 40 Minuten Fahrtweg komme ich dort an, bleibe dort bis ca. 4:00 Uhr und bin dann so gegen 5:00 Uhr wieder zu Hause. (Über die Arbeit werde ich dann im nächsten Blogeintrag noch genauer berichten.) In meiner Freizeit mache ich in unserem Gästezimmer Sport, höre das englische Harry Potter Hörbuch, lese Bücher, gehe gelegentlich ins Internetcafé, schreibe irgendetwas (Postkarten, Emails, Blogeinträge, bürokratischen Kram für meine Entsendeorganisation) und gehe immer, wenn ein neuer englischer Film rauskommt, zusammen mit Erik ins Kino. Abends kochen wir zusammen und gehen schon so gegen 22:00 Uhr ins Bett. Am Freitag und Samstag habe ich frei.

Viele Grüße

Anton

PS: Gestern wurden mir auf dem Rückweg von der Arbeit in einem ziemlich engen Sammeltaxi Portmonee und Handy geklaut. Inklusive dem Kauf eines neuen Handys beträgt der Verlust ca. 40 Euro und es sind keine wichtigen Dinge abhanden gekommen. Sobald ich wieder ein Handy habe, werde ich unter der neuen Nummer (+91-8106413670) wieder erreichbar sein.
Seit ich anfang Mai zurückgekommen bin habe ich irgendwie etwas Pech. Erst das Laptop, dann ist meine Uhr und meine Brille kaputt gegangen und jetzt noch das…  Immerhin habe ich eine Ersatzbrille dabei und ein Materialist will ich sowieso nicht sein =).

Zu aller erst: Ich habe eine neue Handynummer (siehe PS ganz unten).

Nach einer langen Odyssee bin ich letztendlich doch wieder in Hyderabad angekommen. Seit Anfang Mai bin ich wieder zu Hause und der Alltag ist eingekehrt. Nach den ganzen Abenteuern fühlt sich das echt gut an und ich finde auch wieder die Muße, um einen Blog Artikel zu schreiben. Es ist zwar, wenn man so auf den Kalender guckt, schon eine Ewigkeit vergangen, seit ich den letzten ausführlichen Eintrag geschrieben habe, aber ich werde trotzdem dort weiter berichten, wo ich aufgehört habe. In meinem Kopf sind viele der Erfahrungen noch sehr präsent und gerade Reisen sind ja besonders spannend.

Eines noch vorweg: Mein Laptop ist vor Kurzem einem Windows Systemfehler oder, was weniger wahrscheinlich ist, einem Virus zum Opfer gefallen und lässt sich nicht mehr hochfahren. Es handelt sich meiner Einschätzung nach um einen nicht gravierenden Fehler, der aber hier vor Ort auch nicht ohne ein Risiko von Datenverlust behoben werden kann. Dazu muss man sagen, dass ich wohl eher unqualifiziert bin und diese Einschätzung vor allem auf dem Internet und der Befragungen von deutschen und indischen Experten beruht.
Lange Rede kurzer Sinn: Es gibt fast keine Fotos, weil sie auf dem Laptop gespeichert waren und ich auf die Daten, nach einer hoffentlich erfolgreichen Reparatur, erst wieder in Deutschland zugreifen kann.

Die Invasion beginnt

Nachdem Anfang Februar meine Eltern hier in Indien gelandet sind, habe ich ihnen die Stadt gezeigt und wir sind für zwei Tage in die nahegelegene Stadt Bidar gefahren. In Hyderabad waren wir im hochmodernen IMAX-Komplex, um uns den Film Avatar in 3D anzuschauen und kurz darauf haben wir als Kontrastprogramm auch ein schäbiges Billigkino besucht und dort einen indischen Film genossen. Außerdem haben wir natürlich diverse Sehenswürdigkeiten besichtigt und es wurden bei einem sowieso geplanten Willkommensprogramm von Don Bosco für zwei neue Freiwillige extra die Namen meiner Eltern mit eingefügt, sodass sie auch einen Einblick in die immer sehr ähnlichen, aber trotzdem spektakulären Programmpunkte einer Don Bosco Aufführung gewinnen konnten. Das Programm war so ungefähr Tanz, Tanz, Tanz, Rede vom Direktor, Übergabe von selbst gemalten Bildern und Freundschaftsbändchen durch die Kinder und wieder Tanz, Tanz, Tanz. Das absolute Highlight dabei war ein Tanz, bei dem im Original eine junge Frau einen wichtigen Part hat, welcher aus Mangel an richtigen Mädchen von einem mit Perrücke und Rock verkleideten Jungen  übernommen wurde. Das war überraschenderweise gar kein Problem und wobei sich in Deutschland die meisten Junge in dem Alter geschämt hätten, wurde hier extra laut applaudiert und die Stimmung war auf dem Höchstpunkt. Um sich auf die lange Reise vorzubereiten, war Georg noch beim Friseur, Petra bei einer Massage und wir haben Klamotten eingekauft. Für „Ihn“ ein Hemd und eine Shorts und für „Sie“ einen Panjabi. Der Panjabi ist neben dem Sari das Outfit schlechthin. Hier in Indien lässt sich so gut wie keine Frau außerhalb der Großstädte mit etwas anderem Blicken und auch die offiziellen Uniformen der Frauen z.B. als Schülerinnen, Krankenschwestern, Schaffnerinnen oder Security bestehen aus Panjabis oder Saris. In den Großstädten sind es fast nur die Reichen, die von der Kleidung her, aber auch anderweitig, den westlichen Lebensstil anstreben. Wer interessiert ist, kann sich mit den folgenden Links ein Bild von dem jeweiligen Kleidungsstück machen: Panjabi, Sari . Alles in allem haben meine Eltern in der ersten Zeit schon Mal einen Einblick in die sich so drastisch von Deutschland unterscheidende indische Kultur gewonnen.

Nach genau einer Woche ist dann auch meine Freundin Maria wohlbehalten eingetroffen und wir haben uns alle zusammen auf den Weg gemacht, Südindien zu erkunden. Für Maria gab es somit keine einwöchige Eingewöhnungsphase bevor es los ging, aber sie ist ja auch noch bedeutend jünger und schon mit afrikanischen Wassern gewaschen.  Da ging das auch so.

Die Auswahl von Zielen

Wir haben uns einfach mit dem Reiseführer und einer Karte hingesetzt und rausgesucht, welche Orte einen interessanten Eindruck machen, gut erreichbar sind und sich in eine Gesamtroute einfügen lassen. Das hat sehr gut funktioniert und auch nach meinen weiteren Reisen zusammen mit Erik kann ich bestätigen, dass man auf diese Art und Weise, gekoppelt mit einem gewissen Maß an Spontanität bzw. Flexibilität, angenehm reisen kann.
Die Standardtransportmittel über lange Strecken sind der Bus und der Schlafwagen vom Zug und in den besiedelten Gebieten gibt es für kurze Strecken dann fast immer irgendeine Art von Taxi. Das Herumreisen dauert zwar aufgrund der großen Distanzen häufig sehr lange und ist dadurch auch etwas anstrengend, aber über  fehlende/ausfallende Verbindungen oder Verspätungen muss man sich in der Regel keine Gedanken machen. Für den Zug muss bei einigen Strecken allerdings zeitig reserviert werden.

Karte von Indien mit den Zielen

Hampi

Auf die beschriebene Art und Weise haben wir uns für Hampi als erstes Reiseziel entschieden. Die Stadt ist für ihre vielen besonders beeindruckenden hinduistischen Tempel bekannt und wir haben in den paar Tagen wirklich den Tempel Bedarf für die gesamte Reise abgedeckt. Außerdem habe ich das erste, aber nicht letzte, Mal in Indien frei rumlaufende Affen gesehen.
Es waren natürlich auch viele andere ausländische Touristen unterwegs und in der Gegend, wo sich unsere Zimmer befanden, waren in ca. 500 Meter Umkreis nur andere Unterkünfte mit Bleichgesichtern und die entsprechende Infrastruktur (Internet Cafés, kleine Gemischtwarenläden und Restaurants mit westlichen Speisekarten). Alles ähnlich wie in Goa und durch weitläufige Reisfelder in der Mitte der Anlage und den Ausblick auf viele kleinere und größere Granitfelsen auch nicht weniger idyllisch. In der Stadt und bei den Tempeln haben allerdings die indischen Pilger und Touristen eindeutig dominiert, wodurch die Atmosphäre sehr angenehm und viel authentischer war.

Mysore

Von Hampi aus sind wir nach Mysore gefahren. Dort haben wir neben der Stadt an sich, einigen der vielen Kunsthandwerksläden und dem Markt natürlich auch den ehemaligen Palast des Maharadschas besichtigt. Da diese Sehenswürdigkeit auch von vielen internationalen Touristen besucht wird und sich die Verantwortlichen offenbar besonders viele Gedanken gemacht haben, gab es einen sogar für deutsche Verhältnisse außerordentlich informativen und gut konzipierten mehrsprachigen Audioguide. Da war ich nach dem, was ich bisher von Indien mitbekommen hatte, wirklich beeindruckt.
Eine weitere Attraktion war auf jeden Fall der Markt mit seiner geschäftigen Atmosphäre. Dort gab es Lebensmittel, Parfüm, Töpfe und alles was so zum Kochen dazugehört. Das Bedeutendste davon war der Fleischmarkt. Dass es so etwas gibt… Es lag der Geruch von rohem Fleisch in der Luft und das Blut floss in extra angelegten Abflussrinnen über den Boden. Die Tiere wurden direkt vor Ort geschlachtet und es wurde fast jeder Bestandteil zum Verkauf angeboten: Schafskopf, Lunge, Darm, Herz, Hirn, Niere, Leber, Hühnerfüße. Es gab einfach alles. Das Ganze war eine sehr einprägsame Erfahrung. Beim Anblick der vielen toten Tiere und vor allem deren Verarbeitung habe ich mich definitiv unwohl gefühlt. Wer sieht schon gerne jemanden mit einem Hackebeil im Akkord Schafsköpfe Spalten und das Gehirn herausschneiden? Ich hatte hier in Indien bisher nur einmal ähnliche Empfindungen und das war als wir im Projekt Kaninchen geschlachtet und gehäutet haben. Es ist wirklich ein unerfreuliches Handwerk. Andererseits muss ich auch ehrlich zugeben, dass diese Erfahrungen nicht ausreichen, um mich vom Fleisch Essen abzuhalten.

Mudumalai Nationalpark

Auf der Busroute von Mysore nach Ooty sind wir für eine Nacht im Mudumalai Nationalpark ausgestiegen. Dort haben wir am ersten Tag Elefanten besucht, bei ihrer Fütterung zu gesehen und am Abend eine Jeeptour gemacht, bei der wir im Scheinwerferlicht Büffel, Rehe, Hirsche, Affen und einen Bären gesichtet haben.
Nebenbei haben wir erfahren, dass das gesamte Pflegepersonal für die Elefanten und anderen Tiere aus von der Regierung angestellten Eingeborenen besteht. Dieses Konzept finde ich sehr gelungen, weil der indigenen Bevölkerung abgesehen von dem Lohn auch ein bestimmtes Maß an Siedlungsraum, Holzsammel und Jagen zugestanden wird und sie dadurch immer noch traditionell leben kann. Sie wurde eben nicht vertrieben, wie es so oft der Fall ist, sondern integriert.
Am nächsten Morgen sind wir sehr früh aufgestanden und haben eine dreistündige, geführte Wanderung durch den Nationalpark gemacht. Dabei haben wir auch nicht mehr, als die oben genannten Tiere ohne den Bären gesehen, aber es hat Spaß gemacht einfach nur durch die Wildnis zu laufen und immer wieder, auf Rudel von wilden Tieren zu treffen. Von der Landschaft war ich zunächst zwar etwas enttäuscht, weil ich eher Dschungel, als Steppe erwartet hatte, aber letztendlich habe ich trotzdem schöne Aussichten genossen.
Auf dem Rückweg von der Wanderung habe ich dann noch mein persönliches Highlight erlebt: In dem ganzen Nationalpark waren immer wieder ziemlich coole schwarze Affen mit langem Schwanz (vielleicht Lemuren) unterwegs und da habe ich auf der Fahrt unseren Führer gefragt, ob man die nicht auch mal füttern könne. Da wir noch als Proviant vorgesehene Bananen übrig hatten, hat er dann bei einer Gruppe Affen angehalten und die wussten sofort was los ist. Bevor ich die Bananen überhaupt richtig auspacken konnte, waren schon mehrere Affen auf den Jeep gesprungen und ein besonders niedliches Exemplar mit einem Baby um den Bauch hat gierig nach den Bananen gegrapscht. Ich habe dann ganz schnell alles hergegeben und wurde sogar noch gekratzt. Trotzdem war es echt süß, wie der Affe da saß, nach den Bananen gefischt hat und alles in Windeseile aufgemampft war. Als wir zurück waren habe ich mich sofort auf den Weg gemacht, um noch mehr Affen zu suchen und ihnen all mein Essen anzudrehen, aber leider waren gerade zu dem Zeitpunkt keine mehr aufzufinden.

Ooty

Nach dem kurzen Aufenthalt im Nationalpark haben wir dann wieder den Bus genommen und sind weiter zur Bergstadt Ooty gefahren. Einem sehr idyllischen Ort inmitten von Bergen und Teeplantagen. Keine großen Straßen, kein Verkehrslärm und frische Bergluft, die abends sogar einen Pullover erforderlich macht. Außerdem gab es Schokolade! Leckere selbst gemachte Schokolade verschiedenster Art (Weiße, schwarze, mit Rosinen, mit Nüssen, mit Datteln). Keine Ahnung wo sie herkam, aber es gab sie an jeder Straßenecke und zusammen mit indischen Brötchen (Toastbrotteig in Brötchenform) hat sie jeden Morgen mein normalerweise indisches Frühstück ersetzt. Hier in Hyderabad gibt es natürlich auch ganz normale abgepackte Schokolade, aber die ist teurer als in Deutschland und definitiv nicht so lecker.
Außer dem Schokolade Essen haben wir auch noch das Tee Museum besucht, sind durch die Stadt geschlendert, waren in den Teeplantage spazieren und ich habe mit Maria eine einstündige Reittour gemacht. Reiten ist vielleicht stressig! Ich weiß echt nicht, wie die all die reitenden Herr der Ringe Schauspieler gecastet haben. Entweder das sind alles Spezialeffekte und in Wirklichkeit müssen die gar nicht reiten können oder sie haben erst mal ein ziemlich ausführliches Reittraining absolviert oder ich bin einfach unbegabt. Das ganz normale Gehen war ja noch in Ordnung, aber sobald das Pferd angefangen hat so komisch zu hopsen konnte ich nur noch komplett im Steigbügel stehen oder meinen Hintern leiden lassen. Am Ende ging es etwas besser und ich bin ein wenig mitgewippt, aber von elegantem oder auch nur entspanntem Reiten war das trotzdem meilenweit entfernt.
An einem Tag haben wir auch das Tribal Museum einige Dörfer weiter besucht und so einiges über die vielen verschiedenen eingeborenen Stämme in der Umgebung erfahren. Bei ihnen lief es nicht so gut, wie im Nationalpark. Sie wurden seit Beginn der Kolonialisierung durchgehend zurückgedrängt und zur Assimilierung gezwungen. Später habe ich von anderen Freiwilligen, die an unterschiedlichen Orten Indiens mit Ureinwohnern arbeiten, und bei einer politischen Veranstaltung in Delhi erfahren, dass die indigene Bevölkerung immer noch großer Ausbeutung, Diskriminierung und Vorurteilen ausgesetzt ist. Für viele Inder sind sie einfach nur Waldmenschen, die grundsätzlich weniger Intelligenz besitzen und den Affen vielleicht doch etwas näher sind, als dem Homo sapiens sapiens. Das geht sogar so weit, dass sich Schulen weigern Stammesangehörige aufzunehmen und sich ansonsten nette Lehrer gegenüber Freiwilligen über die den Schuldurchschnitt ruinierende geistige Zurückgebliebenheit der Stammesangehörigen beschweren.

Fort Cochin

Von Ooty aus sind wir unter anderem auf einer sehr schönen, durch Berge, Täler und Teeplantagen führenden Bahnstrecke nach Coimbatore gefahren, von wo aus wir planmäßig direkt am nächsten Tag nach Fort Cochin weitergereist sind. Dort war das Klima durch die hohe Luftfeuchtigkeit sehr schwer erträglich und im Zimmer musste man ca. alle 45 Minuten duschen und sich halb nass unter den Ventilator legen, um sich überhaupt einmal frisch zu fühlen. Ansonsten war es vor allem sehr touristisch. Überall Kunsthandwerksgeschäfte, westliche Restaurants und nervende Rikschafahrer.
Rikschas sind übrigens die dreirädrigen Taxis, die überall in Indien herumkurven und deren Fahrer sehr gerne Touristen zu drastisch erhöhten Preisen befördern. Viele Rikschafahrer in Fort Cochin haben zu erstaunlich günstigen Preisen eine einstündige Besichtigungstour angeboten und da haben Maria und ich nach einiger Zeit zugeschlagen. Wir haben einen ziemlich coolen Fahrer erwischt, der uns auch gleich erklärt hat, warum die Touren so preiswert sind: Fast alle Kunsthandwerksläden in der Umgebung bieten jedem Rikschafahrer eine Prämie, der Touristen in den Laden lotst. Mal ist es ein Shirt, mal Bares und mal eine Provision. Für jeden Touristen gibt es einen Punkt und bei genügend Punkten gibt es die Prämie. Der Trick ist, dass es die Prämien, so lange sie nicht aus Provision auf gekaufte Artikel bestehen, unabhängig davon gibt, ob der Tourist etwas kauft oder nicht. So haben wir letztendlich unsere Tour auf über drei Stunden ausgeweitet und musste als Gegenleistung einfach nur bei an paar Läden anhalten, kurz reingehen und wieder rausgehen. Das Lustige dabei ist, dass die meisten Rikschafahrer ihren Kunden direkt sagen, dass sie nur reingehen und nichts kaufen müssen. Entweder die Ladenbesitzer kriegen das nicht mit oder es ist ihnen ziemlich egal, weil viele Touristen sowieso was kaufen, auch wenn sie eigentlich nur reingehen, um günstiger Rikscha zu fahren. Auf diese Art und Weise lies sich prinzipiell sogar komplett kostenlos Rikscha Fahren. Das einzige Problem dabei ist, dass es nach einer Weile ziemlich stressig wird, wegen umgerechnet vielleicht 30 Cent, fünf Minuten lang in einem Laden von dem Verkäufer vollgequatscht zu werden.
Alles in allem gab es in Fort Cochin nur einige eher durchschnittliche Sehenswürdigkeiten und gute Fischrestaurants. Außerdem habe ich mir in einem der unzähligen Läden ein ordentliches Schachbrett für die zukünftig hoffentlich regelmäßig stattfindenden Schachpartien in Deutschland gekauft.
Abgesehen davon hat uns ein von der staatlichen Touristeninformation organisierter Tagesausflug in die allseits gepriesenen Backwaters geführt. Die Tour war zusammen mit anderen Touristen und der erste Teil bestand aus einem Hausboot Trip durch die großen Kanäle und Seen mit einem Stop auf einer Insel und einigen Erklärungen zu Lebensweise und Arbeit der Anwohner: Sie haben nicht auf allen Inseln Strom und müssen für fast jede Besorgung mit einem Kanu zum Festland fahren; Wenn sie etwas genießen oder sich betrinken wollen bevorzugen sie einen aus der Kokosnussblüte stammenden leicht angegorenen Saft, den es in ähnlicher Form auch hier in Hyderabad gibt; Viele Anwohner fischen und sammeln Muscheln, die zum Verzehr verkauft oder zu Kalkpulver verarbeitet werden.
Nach einem Mittagessen auf dem Hausboot folgte der zweite Teil der Tour, welcher aus einer Fahrt im Kanu durch die engeren Kanäle der Backwaters bestand. Dazu muss ich sagen, dass es auf jeden Fall idyllisch war und die Palmen eine besondere Atmosphäre schaffen, ich aber die Kanäle im Spreewald eindrucksvoller finde.

Gokarna

Nach so langem Herumreisen und Sight Seeing sind wir nach Gokarna an den Strand gefahren, um uns eine Pause zu gönnen und auch mal diese Seite Indiens kennen zu lernen. Es war dem, was ich bereits früher von Goa beschrieben habe sehr ähnlich, nur ruhiger und idyllischer, als die Orte, die ich in Goa gesehen habe. Der Strand war separat, ca. drei Kilometer von der Stadt entfernt und es gab dort ausschließlich viele Unterkünfte direkt am Wasser (ca. 30 Meter) und viele Restaurants. Ansonsten war da nichts. Natürlich wieder westliches Essen und fast nur ausländische Touristen, aber was soll‘s? Wir haben einfach am Strand und im Wasser entspannt, gelesen und die Seele baumeln lassen.

Mumbai

Mit neu getankter Energie sind wir dann auf nach Mumbai, der ca. 17 Millionen Einwohner starken Finanzmetropole Indiens. Es ist mit seiner durch den Platzmangel noch erhöhten Enge, der Überfülltheit, dem vielen Verkehr und der Verschmutzung den anderen indischen Großstädten sehr ähnlich, aber trotzdem ganz anders. Ich finde Mumbai ist eine wirklich schöne Stadt. Durch die vielen westlichen Touristen und Gastronomie- und Modeketten wirkt es sehr international und überall findet man mehr oder weniger kreativ gestaltete Hochhäuser, alte Kolonialbauten und andere Gebäude, die in anderen Städten als Hauptattraktion gelten würden. Dementsprechend ist Mumbai auch preislich mit keiner anderen indischen Großstadt zu vergleichen. Ob Unterkunft, Essen, Taxi fahren und ins Kino gehen – fast alles ist teurer. Davon haben wir uns aber nicht abschrecken lassen, die vielen Sehenswürdigkeiten zu erkunden und die Vorzüge der Großstadt zu genießen.
Wir waren in den unterschiedlichsten Bezirken der Stadt, die von dem absoluten Bonzenviertel bis zum größten Slum Asiens die gesamte Bandbreite abdeckt, sind an der Strandpromenade entlangspaziert, waren im Mani Bhavan (Museum in Mahatma Gandhis ehemaligem Wohnhaus in Mumbai) und haben in einem bis ins kleinste Detail westlichem Standard entsprechenden Café Erdbeershake getrunken. Dazu muss gesagt werden, dass ich so etwas in Indien bisher auch noch nicht gesehen hatte. Natürlich gibt es überall edle und teure Hotels oder Restaurants, aber eigentlich ist es trotzdem nie makellos. Ein Riss in der Wand, ein Fleck auf dem Boden, angeschlagenes Geschirr, total dreckige Fensterscheiben, schäbige Speisekarten, wackelnde Tische, tropfende Wasserhähne, gesprungene Fliesen, rülpsende Kellner oder ein Plastikhandschuh im Sub des Tages (ein Sandwich der Fastfoodkette Subway) – es gibt eigentlich immer irgendetwas, woran man noch eindeutig erkennen kann, dass man in Indien ist. Nicht aber in Mumbai. Hier war es an vielen exklusiven Orten einfach makellos.
Am (Datum wird nach Verifizierung hier eingefügt) sind meine Eltern von Mumbai aus zurück nach Deutschland geflogen und Maria und ich haben noch zwei weitere Tage dort verbracht, bevor wir weiter nach Pune gereist sind.

Pune

In Pune haben wir uns natürlich auch wieder einfach die Umgebung angeguckt, waren im 3D Kino „Alice im Wunderland“ gucken und haben den Bhagwan/Osho Ashram besucht. Im Reiseführer stand, man könne auch an Besichtigungstouren durch die Anlagen des Ashrams teilnehmen, aber wir wurden an der Rezeption ziemlich schnell abgefertigt und auf die virtuelle online Tour als einzige Besichtigungsmöglichkeit verwiesen. Also konnten wir nur das rege Treiben auf der Straße betrachten. Viele viele ausschließlich in rote Roben gekleidete indische und internationale Mitglieder, die zwischen den Veranstaltungen hin und her eilen. Eine Deutsche, die ich angesprochen hatte, war total begeistert und meinte das Angebot sei riesig, sodass sie von morgens bis abends unter professioneller Anleitung Yoga und Meditation erlernen könne.
An einem Tag haben wir außerdem den Zoo besucht, der erstaunlich gut ausgestattet war und neben einem etwas betagten weißen Tiger eine Vielzahl an Reptilien zu bieten hatte.

Abschied

Nachdem wir letztendlich wieder in Hyderabad angekommen waren haben wir noch ein paar wunderschöne gemeinsame Tage verbracht. Erik hatte kurz vor unserer Abreise schon die neue Wohnung bezogen und ich bin dann zusammen mit Maria und meinem Gepäck auch gleich dort hin umgezogen. Wir haben zusammen mein Zimmer eingerichtet, einige Besorgungen gemacht und die letzte Zeit zu Hause in trauter Zweisamkeit genossen.
Am 18.März war es dann so weit und ich habe Maria früh morgens zum Flughafen gebracht, von wo aus sie nach intensiver Verabschiedung, problemlos wieder nach Deutschland geflogen ist.

So endet der Bericht der Reise mit meinen Liebsten aus meiner Perspektive. Jetzt ist es an euch Petra, Georg und Maria euren Beitrag zu leisten! Wenn euch noch irgendetwas einfällt, (ein Erlebnis, ein Eindruck oder ein Detail zu dem schon beschriebenen) schreibt es mir per Email, so dass ich euch als exklusive Sonderkorrespondenten in den Blog integrieren kann. Außerdem brauche ich natürlich Fotos (meine sind mir ja vorerst abhanden gekommen). Schickt mir bitte Fotos, die das bisher beschriebene darstellen/unterstützen und falls ihr auch welche findet, zu denen ihr etwas erzählen möchtet, ist das natürlich noch besser. Zwei Wünsche habe ich schon: ein Foto aus einem Schlafwagen und ein Foto von einer Rikscha (am besten mit uns drin).

Alles neu

Nachdem Maria wieder zurückgeflogen ist, habe ich mit Erik einen völlig neuen Abschnitt unseres Freiwilligendienstes begonnen. Nicht nur die Wohnsituation hat sich verändert, sondern auch der Arbeitsplatz. Vorher hatten wir ja direkt auf dem Projektgelände gelebt und gearbeitet, doch mit dem Umzug wurde dann auch der von vorneherein geplante und schon lange überfällige Wechsel zu einer anderen Zweigstelle des Projektes verwirklicht.
Es gibt von Don Bosco hier in Hyderabad insgesamt drei Projektstandorte mit unterschiedlichen Funktionen. Alle Abteilungen kümmern sich ausschließlich um Kinder mit sehr problematischem familiären Hintergrund. Einige sind Waisen, andere sind aus unterschiedlichen Gründen von zu Hause weggelaufen und wieder andere wurden Vertrieben. Dadurch haben die Meisten über kurze oder lange Zeit auf der Straße gelebt und sich durch Betteln oder Kinderarbeit über Wasser gehalten, bis sie dann zu Don Bosco gekommen sind. Erstaunlich viele der Kinder haben allerdings immer noch bzw. wieder Kontakt zu Familienangehörigen, bei denen sie sogar teilweise den Urlaub verbringen. Trotzdem lässt es die Familiensituation in den meisten Fällen aufgrund von Armut oder Unwillen der Familienangehörigen nicht zu, dass die Kinder nach Hause zurückkehren. Bei dem so genannten „Home Placement“ wird allerdings kontinuierlich und gelegentlich erfolgreich versucht, durch Aufbau von Kontakt zu den Familienangehörigen, den Kindern eine Rückkehr nach Hause zu ermöglichen. Dabei soll natürlich auch sichergestellt sein, dass die Kinder zu Hause angemessen behandelt werden und weiterhin eine Ausbildung irgendeiner Art genießen können.
Bis Februar hatten wir gemeinsam in der als „Technical School“ bezeichneten Abteilung gearbeitet. Dort wird den etwas älteren und schon mit dem Projekt vertrauten Kindern, die nicht in der Lage bzw. willens sind eine Schule zu besuchen, eine Art praktische Ausbildung in verschiedenen Bereichen (Bäckerei, Tischlerei, Schweißerei, Elektronik/Klempnerei, Schneiderei und Druckerei) ermöglicht. Außerdem sind auf dem Gelände noch einige kleinere und größere Schulkinder und einige Studenten untergebracht.
Seit unserem Umzug haben wir uns auf die verbleibenden zwei Standorte aufgeteilt und starten jetzt jeden Morgen von unserer Wohnung aus zum jeweiligen Arbeitsplatz.
Erik fährt zu der Auffangstation für die direkt von der Straße kommenden neuen Kinder, von wo aus er zusammen mit anderen Angestellten zum nahegelegenen Bahnhof geht und bei der so genannten „Street Education“ versucht, Straßenkinder von den Vorzügen eines Aufenthalts in den Don Bosco Projekten zu überzeugen.
Ich begebe mich zu der Abteilung mit ca. 40 kleinen Schulkindern, die relativ früh von der Straße geholt wurden. Im März waren die Kinder bis um ein Uhr in unterschiedlichen öffentlichen Schulen, sodass ich auch zusammen mit einem Angestellten zu den nahegelegenen, von Straßenkindern stark frequentierten Stellen ausgerückt bin, um Kinder von der Straße zu holen. Am Nachmittag habe ich dann Computerunterricht für die Schulkinder gegeben. In dem Projekt gibt es sechs Computer, an denen ich den Kindern in kleineren Gruppen den Doppelklick, das Tippen und den Umgang mit Textverarbeitungsprogrammen beigebracht habe.

Bis Ende März waren noch Eriks Mutter, Schwester und ein Freund von ihm da, Anfang April sind Erik und ich dann nach Neu-Delhi zu unserem Zwischenseminar gefahren und danach haben wir noch bis Anfang Mai Urlaub in Nordindien gemacht. Von dem Urlaub und der Zeit danach berichte ich dann im nächsten Blogeintrag, sodass der Blog zur Abwechslung auch mal wieder komplett aktuell wird.

Bis dahin kann ich nur sagen, dass es mir weiterhin hervorragend geht und die fast komplett neue Situation einen willkommenen frischen Wind in den Freiwilligendienst bringt. Es ist fast so, als würde man in dem einen Jahr zwei unterschiedliche Freiwilligendienste erleben.

Home Sweet Home

Zu guter Letzt habe ich noch einige top aktuelle Fotos und Informationen zu unserer Wohnung:

1653:

Aus der Eingangstür heraus fotografiert: unser Wohn- und Esszimmer, in dem wir im nächsten Monat die ein oder andere Nacht vor dem ansonsten überhaupt nicht genutzten Fernseher verbringen werden. Es läuft ja schließlich die Fußball Weltmeisterschaft!
Die Tür geradeaus führt zur Küche und das Fenster zeigt auf den Balkon, der per Definition eigentlich gar kein richtiger Balkon ist.

1655:

Unsere Küche mit Gasflasche zum Kochen. Morgens gibt es immer Cornflakes, mittags essen wir bei der Arbeit und abends kochen wir uns meistens Reis und manchmal Nudeln mit einer immer etwas unterschiedlichen eintopfartigen Gemüsemischung.
Wer sich fragt, warum die Cornflakes an einem Seil herunterhängen, sei hiermit auf die in immens großer Zahl überall her- und hinkommenden, rücksichtslos randalierenden Ameisen hingewiesen. Sie sind übrigens nicht nur in der Küche, sondern auch im Bad und in meinem Zimmer, obwohl es da überhaupt nichts zu plündern gibt. Am Anfang haben wir versucht sie mit Duftstoffen fern zu halten, aber mittlerweile haben wir eine absolut geniale, alles vernichtende Tötungskreide. Die kann ich wirklich jedem empfehlen, der mit Ungeziefer zu kämpfen hat. Man muss damit nur einen kleinen Strich mitten in die Ameisenstraße oder in deren Nähe malen und alle finden das extrem lecker, essen davon, bleiben ein paar Minuten später reglos stehen und sind nach weiteren 20 Minuten einfach tot. Ich bin wirklich nicht gerne ein Massenmörder, aber die Ameisen hatten einfach alles belagert und uns somit keine andere Wahl gelassen. So ein mit Säure gekoppelter Ameisenbiss ist auch echt unangenehm.
Rechts neben der Cornflakestüte ist noch eine auf dem Foto nicht zu sehende Tür zu unserem Balkon.

1658:

Der nicht vorstehende, sonder ins Haus integrierte Balkon ist an sich zwar keine Bereicherung, aber dafür beheimatet er unsere Waschmaschine. Als ich zum ersten Mal gehört habe, dass unsere Wohnung eine Waschmaschine hat, war ich hellauf begeistert und habe so etwas erwartet, wie wir in Deutschland haben. Leider musste ich dann feststellen, dass Wasserzufuhr und Abfluss manuell geregelt werden müssen, wodurch das Waschen immer noch gelegentliches Eingreifen erfordert. Außerdem ist der Wasserzulauf so spärlich, dass zusätzliches Wasser mit Eimern nachgekippt werden muss und der Abfluss auf dem Balkon ist etwas klein, sodass man den Abfluss der Waschmaschine nur in Intervallen öffnen kann. Ist man zu ungeduldig und entlässt alles Wasser auf einmal, wird nicht nur der Balkon, sondern auch die Küche und das Wohnzimmer überflutet. Aber ich will mich wirklich nicht beschweren! Immer hin wird das eigentliche Waschen durch das automatische Schleudern übernommen, was im Gegensatz zur Handwäsche schon ein riesiger Vorteil ist.

1665:

Noch mal unser Wohnzimmer mit Blick auf den Kühlschrank (ganz links), das Gästezimmer (links), mein Zimmer (mitte) und das Badezimmer (rechts). Gegenüber von meiner Zimmertür ist noch die Tür zu Eriks Zimmer.

1643:

Mein Zimmer. Das Bett habe ich zum Zwecke der besseren Belüftung und des Moskitoschutzes direkt unter den Ventilator geschoben, wo drunter das Qi in meinem Zimmer allerdings sehr zu leiden hat. Trotzdem fühle ich mich hier sehr wohl. Am Anfang hatte ich noch alle Fenster geschlossen und komplett mit Klopapier und Tesafilm versiegelt, um mich zusätzlich gegen die Mücken zu schützen, aber mit steigenden Temperaturen konnte meine Festung nicht mehr stand halten. Ohne Lüften war es einfach unerträglich. Also habe ich alles aufgegeben und die Fenster sind mittlerweile ununterbrochen geöffnet. Der Ventilator leistet aber gute Dienste, indem er die meisten Mücken daran hindert, sich unter seinem relativ starken Luftstrom aufzuhalten.

1642:

Die seit ich zurückdenken kann vor meinem Zimmerfenster existierende Baustelle, auf der unermüdlich gehämmert, gerufen und gepoltert wird. Eigentlich ist es den ganzen Tag über (vor allem früh morgens und spät abends) ziemlich laut, aber daran gewöhnt man sich in Indien und einen spannenderen Ausblick kann ich mir kaum vorstellen. Ich verbringe manchmal einfach einige Minuten damit, den Bauarbeitern bei der Arbeit zuzusehen und die Früchte ihrer Anstrengungen zu bestaunen. Am Anfang waren sie noch dabei Löcher für das Fundament zu buddeln und jetzt sind sie schon beim zweiten Stock. Wie die fleißigen Ameisen (mit Ameisen kenne ich mich mittlerweile ziemlich gut aus) wuseln die Arbeiter herum und wissen irgendwie instinktiv, was zu tun ist. Außerdem scheinen sie bei Zeiten eine ausgeprägte Gabe fürs Nichtstun zu haben, wobei ich sie auf keinen Fall als faul bezeichnen würde. Manchmal sitzen/stehen sie halt einfach rum und schauen ihren Kollegen bedächtig bei der Arbeit zu oder unterhalten sich, um ein paar Minuten später wieder irgendwo mit einzusteigen. Ich bin mir sicher, dass es sich dabei um keine regulären Pausen handelt, aber es wird allgemein akzeptiert und ich habe das Gefühl, dass die Selbstbestimmung bei der Arbeit so groß ist, dass der Wille zur Leistung dadurch gesteigert wird. Die Bauarbeiter machen fast den Eindruck, als wären sie alle gute Freunde, die das Haus für sich selber bauen. Es gibt keine Anzeichen von Hierarchie, Stress oder lästiger Erwerbstätigkeit, sondern jeder leistet zu seiner Zeit den eigenen Beitrag und so entsteht am Ende ein großes Haus. Wenn ich die Wahl hätte, entweder den ganzen Tag ohne weitere Beschäftigung auf der Baustelle herumzusitzen oder ein paar Sachen zu tragen, Nägel einzuhämmern und Beton zu mischen, würde ich auch Letzteres wählen. Man muss dazu sagen, dass die gleiche Anzahl deutscher Bauarbeiter auch mit ähnlich primitiver Ausrüstung höchst wahrscheinlich um ein Vielfaches schneller wäre, aber dafür ist die Freiheit bei der Arbeit geringer und die Stimmung bestimmt nicht so gut.

1651:

Mein indisches Badezimmer in dem ich zwei bis drei Mal am Tag eine erfrischende Dusche mit lauwarmem Wasser genieße (ich habe übrigens auch eine Dusche von oben, die auf dem
Foto nicht sichtbar ist). In der Sommerzeit sind hier 43°C normal und da ist ein Ventilator und häufiges Duschen unverzichtbar. Leider müssen wir trotzdem gelegentlich darauf verzichten. Hier in der Stadt gibt es nämlich aufgrund von chronischer Strom-Unterversorgung notwendige, geplante, jeden Tag zur gleichen Zeit einsetzende und meistens eine Stunde dauernde Stromausfälle. Leider gibt es gelegentlich auch unregelmäßige Stromausfälle, die dazu führen können, dass ich nachts schweißgebadet aufwache und nicht mehr einschlafen kann, weil mein Ventilator sich nicht dreht.
Außerdem gibt es an manchen Tagen auch kein Wasser. Diese Zeit können wir allerdings mit unseren in Eimern aufbewahrten Reserven überbrücken.
Alles in allem komme ich mit den hohen Temperaturen mittlerweile wirklich gut zurecht. Man ist halt grundsätzlich einfach etwas ruhiger.

1666:

Eriks Zimmer, das links noch zu einem weiteren Badezimmer führt.

1667:

Eriks Badezimmer. Ja, Erik hat sogar eine westliche Toilette, aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass das Hocken über den indischen Toiletten nach einer gewissen Eingewöhnungszeit nicht mehr unentspannt ist und das Geschäft sogar angenehm beschleunigt.

Bevor dieser Blogeintrag endgültig zu Ende ist, möchte ich auch noch grob meinen aktuellen Tagesablauf beschreiben:
Morgens stehe ich um 7:30 Uhr auf, verbringe einen entspannten Morgen, dusche, frühstücke (Cornflakes, Mango und Banane) und mache mich um 8:30 Uhr auf den Weg zur Arbeit. Nach ca. 40 Minuten Fahrtweg komme ich dort an, bleibe dort bis ca. 4:00 Uhr und bin dann so gegen 5:00 Uhr wieder zu Hause. (Über die Arbeit werde ich dann im nächsten Blogeintrag noch genauer berichten.) In meiner Freizeit mache ich in unserem Gästezimmer Sport, höre das englische Harry Potter Hörbuch, lese Bücher, gehe gelegentlich ins Internetcafé, schreibe irgendetwas (Postkarten, Emails, Blogeinträge, bürokratischen Kram für meine Entsendeorganisation) und gehe immer wenn ein neuer englischer Film rauskommt zusammen mit Erik ins Kino. Abends kochen wir zusammen und gehen schon so gegen 22:00 Uhr ins Bett. Am Freitag und Samstag habe ich frei.

Viele Grüße

Anton

PS: Gestern wurden mir auf dem Rückweg von der Arbeit in einem ziemlich engen Sammeltaxi Portmonee und Handy geklaut. Inklusive dem Kauf eines neuen Handys beträgt der Verlust ca. 40 Euro und es sind keine wichtigen Dinge abhanden gekommen. Sobald ich wieder ein Handy habe, werde ich unter der neuen Nummer (+91-8106413670) wieder erreichbar sein.
Seit ich anfang Mai zurückgekommen bin habe ich irgendwie etwas Pech. Erst das Laptop, dann ist meine Uhr und meine Brille kaputt gegangen und jetzt noch das…  Immerhin habe ich eine Ersatzbrille dabei und ein Materialist will ich sowieso nicht sein =).

Keine Zeit!

20. April 2010

Ich habe jetzt schon sehr lange nicht mehr in dem Blog geschrieben und auch dieser Eintrag ist nur, um kurz zu sagen, dass es mir gut geht und ich noch lebe.

Mit Petra, Georg und Maria war ich im Urlaub, habe danach wieder gearbeitet und bin dann nach Neu-Delhi zum Zwischenseminar meiner deutschen Entsendeorganisation gefahren und jetzt bin ich noch mit Erik bis Anfang Mai in Nordindien unterwegs. Nebenbei habe ich auch noch damit zu tun, mich zu entscheiden, wo und was ich studieren will.

Wenn ich zurück bin, werde ich das alles noch detailliert beschreiben, aber momentan habe ich weder die Lust, noch die Ruhe, einen so umfassenden Artikel zu schreiben.

Viele Grüße

Anton

Die Uhr macht ticke-tack

18. Januar 2010

Jetzt sind schon über dreieinhalb Monate meines Indienaufenthalts vorbei und die Wochen vergehen immer noch wie im Flug.
Die Weihnachtszeit und Sylvester sind vorüber und ich habe wieder genug erlebt, um einen Blogeintrag zu schreiben.

Weihnachten

Hier in Indien sind die Christen zwar eine verschwindend geringe Minderheit, aber das hält die Besitzer der Einkaufszentren und einiger kleiner Geschäfte nicht davon ab, eine Weihnachtsdekoration zu installieren und leuchtende Sterne in ihr Sortiment aufzunehmen. Auch hier bleibt eben keine Gelegenheit ungenutzt, die Kundschaft zu erhöhtem Konsum zu animieren. Grüne Plastiktannenzweige und rote Weihnachtsmannmützen sind eben unabhängig davon, ob man Weihnachten feiert oder nicht, ein reizvoller Anblick.

Da wir uns in einem katholischen Projekt befinden, wurde Weihnachten hier natürlich ausgiebig zelebriert. Allerdings schon am 19. Dezember, damit diejenigen der Kinder, die noch Familie haben, das eigentliche Weihnachten bei ihren Verwandten verbringen können.
Das Weihnachtsfest auf unserem Projektgelände ließ wirklich nichts zu wünschen übrig. Es gab eine liebevoll dekorierte und des nächtens beleuchtete Krippe, einen Weihnachtsbaum und Geschenke. Der Weihnachtsbaum war echt herrlich anzusehen. Er bestand aus einem ca. drei Meter langen, sich mehrfach gabelnden ganz normalen Ast, der senkrecht in den Boden eingegraben und mit buntem Papier geschmückt wurde.
Am 19. Dezember gab es dann ein ausgiebiges Programm: Zuerst wurde eine Ansprache gehalten, die ich aufgrund meiner unzureichenden Kenntnis der regionalen Sprache nicht verstehen konnte. Danach folgte die als Theaterstück aufgeführte Geburt von Jesus, bei der die Hirten, nachdem der Engel ihnen die frohe Botschaft überbracht hatte, erstmal angefangen haben einen dem Breakdance ähnlichen Tanz zu vollführen. Im Anschluss daran durften wir Freiwilligen dann die Geschenke verteilen. Jeder Junge hat ein Hemd und eine Hose bekommen, für deren Produktion unsere Schneiderabteilung hart gearbeitet hat. Außerdem gab es jede Menge Bonbons und ein wirklich leckeres Abendessen mit Hühnerfleisch. Zu guter Letzt gab es dann eine für die Jungen freiwillige Weihnachtsmesse, an der Erik und ich selbstverständlich teilgenommen haben, obwohl wir uns sonst fast nie bei den Messen blicken lassen. Es war natürlich wieder alles in der Regionalsprache und ich habe mir die Zeit damit vertrieben, mich über unseren sehr häufig gähnenden Priester und die meiner Meinung nach zu überschwänglich mitsingenden Angestellten zu amüsieren. (Sie haben wirklich mehr geschrieen als gesungen.)

Die Weihnachtskrippe bei Nacht.

Weihnachten und die Bäckerei

In der Bäckerei des Projektes, wo wir uns normalerweise tagsüber aufhalten, war während der gesamten Weihnachtszeit viel zu tun. Es musste schließlich Kuchen gebacken werden. Der war allerdings nur zu einem kleinen Teil für den Eigenverbrauch des Projektes. Die viel größeren Mengen wurden von anderen Projekten oder Kirchen bestellt und bezahlt.
Mittlerweile bin ich übrigens der Meinung, dass die Arbeit der Jungen in der Bäckerei nur wenig mit einer Ausbildung zu tun hat, sonder vielmehr in den Bereich der Kinderarbeit fällt. Die Jungen arbeiten sechs Tage die Woche ca. sieben Stunden am Tag. Das machen die in den anderen Abteilungen zwar auch, aber dort wird die meiste Zeit entspannt und es gibt immerhin einige Theoriestunden, die die Bezeichnung „Ausbildung“ rechtfertigen. In der Bäckerei wird dagegen immer wieder dieselbe Akkordarbeit geleistet. Die Tage bestehen vorwiegend aus Dingen wie z.B. Mehl sieben, Zutaten abwiegen, Backformen putzen, Backformen einfetten, Teig ausrollen und Kekse mit einem Förmchen ausstechen.
Die absolute Krönung wurde aber erreicht, als für die Weihnachtskuchen 30 Kilo Rosinen gekauft wurden. Es wurden trotz Bedenken des Bäckermeisters total minderwertige Rosinen gekauft, die mit Steinen, Haaren und Holzstückchen von den Weinreben verunreinigt waren. Zuerst wurde gesagt es sei kein Problem die Rosinen so zu verwenden, letztendlich lief es aber darauf hinaus, dass die Jungen in der Bäckerei drei Tage lang damit beschäftigt waren, den Dreck aus den Rosinen rauszusortieren. Und das alles, weil die Verantwortlichen den Zustand der Rosinen falsch eingeschätzt haben und wahrscheinlich auch keine Lust hatten noch woanders hinzugehen.
Abgesehen von solchen Aktionen müssen die Jungen in der Bäckerei mindestens einmal die Woche schon um 5:00 Uhr morgens aufstehen und regelmäßig länger als die vorgesehene Arbeitszeit bleiben, um die vorgegebene Menge an Brot und Keksen produzieren zu können. Es sind keine theoretischen Erklärungen vorgesehen und es wird die meiste Zeit über nur eine Sorte Brot und Kekse gebacken, wodurch der Lerneffekt relativ gering ist. Während der Weihnachtszeit haben die Jungen ca. zehn Stunden am Tag gearbeitet und mussten gelegentlich auch bis spät in den Abend in der Bäckerei bleiben. Außerdem haben die Jungen nicht die zehn Tage Weihnachtsurlaub bekommen. Sie haben jetzt im Januar zwar die Möglichkeit ihre Familie zu besuchen, aber nur wenn sie auch Familie haben, wo sie hinfahren können. Für diejenigen, die keine Familie haben, fallen die freien Tage einfach weg. Hinzu kommt noch, dass in der Bäckerei gelegentlich auch am Sonntag gearbeitet werden muss. Nämlich dann, wenn die anderen irgendetwas feiern wofür Gebäck aus der Bäckerei benötigt wird. Das heißt die Jungen in der Bäckerei müssen genau an den Sonntagen arbeiten, wo es ein Fest gibt.
Alles in allem ist die Arbeit in der Bäckerei aus deutscher Sicht für die 14 bis 17 jährigen Jungen in unserem Projekt nicht angemessen und schafft auch keine Zukunftsperspektiven.

Unser Bäckermeister Kishore beim Einpinseln einiger Kuchen mit Rum.

Sylvester

Erstmal frohes neues Jahr an alle!!!
Da ich wusste, dass die Inder dem Feuerwerk sehr zugeneigt sind, hatte ich für Sylvester einen besonders großen Radau erwartet. Skeptisch wurde ich dann, als ich am 31. Dezember immer noch keinen der temporären Verkaufsstände für Feuerwerk entdecken konnte. Schlussendlich mussten wir dann feststellen, dass es in Indien an Sylvester kein Feuerwerk gibt.
Stattdessen werden, wie zu einigen anderen Feiertagen auch, mit Farbpulver Mandalas vor die Haustüren gemalt. Auf unserem Projektgelände wurde eine das alte Jahr symbolisierende Strohpuppe verbrannt und danach wurde auf einem improvisierten Dancefloor wild durcheinander getanzt. Die meisten der Jungen sind dann auch schon vor Mitternacht ins Bett gegangen, aber einige haben durchgehalten. Erik und ich haben an dem Abend zur Freude aller Anwesenden auch mitgetanzt und danach noch ein bisschen was getrunken.
Die Musik hier in Indien ist übrigens fast ausschließlich Filmmusik. Das heißt in jedem Film wird so ca. sechs Mal ein Song eingespielt und die Hauptdarsteller fangen and nach einer Choreografie zu Tanzen. Das geht hier sogar soweit, dass die Jungen nicht fragen, wie viele Alben auf einen Mp3-Player passen, sondern wie viele Filme. Wobei mit „Film“ die Songs eins Filmes gemeint sind. Diese Musik enthält zwar häufig elektronisch erzeugte Klänge, ist aber trotzdem vielfältig und echt in Ordnung. Ich werde am Ende dieses Abschnitts einige der beliebtesten Lieder unserer Jungs hoch laden, damit ihr euch selbst ein Bild davon machen könnt. Wenn zu der indischen Musik getanzt wird, werden immer die einzelnen Bewegungen und Schritte aus den Choreografien nachgetanzt und beliebig kombiniert.
Zum lauten Abspielen von Musik haben die hier eine sehr kompliziert zu bedienende Musikanlage, die nicht an einen Computer sondern an einen Kassettenrecorder und eine CD-Player angeschlossen ist. Das führt dazu, dass die Lieder häufig nur ein paar Sekunden angespielt wurden, um dann vorzuspulen. Einige technische Probleme und das Spulen von Kassetten machen auch den Verantwortlichen bei den regelmäßig stattfindenden Bühnenveranstaltungen zu schaffen. So passiert es manchmal, dass bestimmte Programmpunkte ausgelassen werden müssen oder kleine Verzögerungen auftreten, weil es Probleme mit der Musikanlage gibt. Für solche Vorfälle haben unsere Jungs allerdings Verständnis und niemand beschwert sich.

Einige der Jungen beim Tanzen bzw. Abgehen an Sylvester.

Einige der Songs aus dem Film Arya2:

Mr. Perfect (DSP REMIX)

Ringa Ringa

Karige Loga

My Love Is Gone

Einige der Songs aus dem Film Magadheera:

Bangaru Kodipetta (mit Originaltanz)

Dheera Dheera Dheera (mit Originaltanz)

Panchadara Bomma (mit Originaltanz)

Geburtstag

Mittlerweile haben wir hier schon einige Geburtstage von Jungen und Mitarbeitern gefeiert und auch Erik hatte letztens Geburtstag. Da durfte es natürlich an nichts fehlen. Es gab einen Cremekuchen, für die Jungen Sprite und für die Mitarbeiter ausreichend alkoholische Getränke und Schweinefleisch zum Abendessen. Das Allerbeste ist allerdings immer die Durchführung eines ganz bestimmten Geburtstagsbrauchs von dem ich nicht weiß, ob er in ganz Indien oder nur in unserem Projekt verbreitet ist. Er besteht darin, dass dem Geburtstagskind von einem oder mehreren seiner Freunde ein Stück Kuchen gereicht und dann ins Gesicht geschmiert wird. Das ist immer wieder eine sehr lustige Sache.

Erik unter Partyschnee beim Kerzenausblasen an seinem Geburtstag.

Krawall und Remmidemmi

In unserem Bundesland Andhra Pradesh ist in den letzten zwei Monaten eine separatistische Bewegung vermehrt aktiv geworden. Einige Lokalpatrioten halten die Zeit anscheinend für günstig, um die Abspaltung eines neuen Bundeslandes mit dem Namen Telangana zu fordern. Um das durchzusetzen hat ein Politiker angefangen zu fasten und in Hyderabad wurden immer wieder Generalstreiks und Demonstrationen veranstaltet. Dabei wurden auch an manchen Tagen staatliche Busse, Schaufenster und Polizisten mit Steinen und Stöcken attackiert. Das führte sogar soweit, dass einige Inder Sympathiebekundungen für die Unabhängigkeitsbewegung an ihre Autos und Geschäfte schrieben, um sie vor dem aufgebrachten Mob zu schützen.
Die Regierung hatte auch schon einige Zugeständnisse gemacht, was allerdings zu Aufständen im restlichen Teil des Bundeslandes führte. Das Problem besteht darin, dass die Separatisten Hyderabad als Hauptstadt für ihr neues Bundesland fordern und der restliche Teil von Andhra Pradesh Hyderabad natürlich als Hauptstadt behalten will. Hinzu kommt noch, dass keiner weiß, wie viele Menschen in den betroffenen Regionen für oder gegen eine Abspaltung sind. Somit kann die Regierung es eigentlich niemandem recht machen und es gab immer nur ein Hin und Her und einige Rücktritte von Lokalpolitikern.
Momentan ist die Situation wieder etwas entspannter, aber wir haben von der Randale sowieso nie etwas mitbekommen, weil sie vorher angekündigt wird und wir uns die meiste Zeit auf unserem Projektgelände aufhalten. Als wirklich gefährlich habe ich das Ganze nie empfunden.

Essen ohne Fleisch

Mein Gewicht hat sich um fünf Kilo erhöht und ich habe die Vermutung, dass es am Essen liegt. Irgendwie esse ich hier wohl mehr als in Deutschland oder das Wasser ist zu bleihaltig. Abgesehen davon esse ich hier auch viel gesünder. Vor der Reise nach Indien hätte mir echt keiner mit Reis und Gemüse ohne Fleisch kommen brauchen, aber hier finde ich das mittlerweile sogar lecker. Dadurch, dass es hier oft nur Reis mit einer dünnflüssigen Linsensoße gibt, weiß ich sogar das Gemüse zu schätzen. Ich habe echt nicht im Traum daran gedacht, dass ich mich mal über einen Topf gekochte Mohrrüben, Bohnen oder Kichererbsen freuen würde… Manchmal gibt es auch Hühnchen, aber das schmeckt mir nicht immer, sodass es sogar vorkommt, dass ich vegetarisch esse, obwohl Fleisch auf dem Tisch steht. Echt unfassbar.

Projektwechsel

Es ist jetzt endgültig soweit. Unser Direktor hat uns mitgeteilt, dass Erik und ich uns noch im Januar auf die zwei anderen Don Bosco Projekte in Hyderabad aufteilen sollen. Wir haben uns so geeinigt, dass ich erstmal zu den kleinen Schulkindern gehe. Da die Projekte relativ weit auseinander liegen und wir keine Lust haben alleine zu wohnen und auch mal was von der Szene in Hyderabad mitkriegen wollen, haben wir uns entschieden eine Wohnung zu mieten, von der wir dann jeden Tag in das jeweilige Projekt fahren. Wir müssen nur dem Geschäftsführer unserer Entsendeorganisation in Deutschland schreiben und dann werden die Mietkosten übernommen. In den nächsten Tagen werden wir uns dann mal auf die Suche nach einer passenden Wohnung machen.

Wie ihr jetzt wisst, geht es mir immer noch gut, obwohl ich mich so lange nicht gemeldet habe. Die Zeit vergeht hier echt so schnell, dass ehe man mal wieder einen Gedanken an den Blog verschwendet schon über ein Monat um ist.
Anfang Februar kommen dann ja auch schon meine Eltern und meine Freundin zu Besuch und wir werden einen Monat lang zusammen Südindien unsicher machen.
Petra, Georg, Maria ich freue mich schon auf euch und unsere Tour!

Viele Grüße

Anton

Urlaub in Goa

5. Dezember 2009

Ich bin jetzt mittlerweile seit einer Woche wieder zurück in Hyderabad.

Unser Urlaub in Goa war äußerst erholsam und interessant. Schon auf der Zugfahrt, die in einem Schlafwagen sehr angenehm verlaufen ist, sind wir mit drei jungen Männern aus Goa ins Gespräch gekommen. Sie haben uns die nördlichen Strände empfohlen und außerdem angekündigt, dass Goa nicht viel mit dem Rest von Indien gemein hat, sondern sehr verwestlicht ist. Da wir auch in unserem Reiseführer gelesen hatten, dass die nördlichen Strände weniger für den Pauschaltourismus erschlossen und für ihre Partys bekannt sind, haben wir uns dann von dem Bahnhof in Vasco-Da-Gama direkt in Richtung Norden auf den Weg gemacht.
Als wir dann in der ersten vom Reiseführer und den Leuten im Zug erwähnten Stadt (Candolim) ausgestiegen sind, waren wir erstmal ziemlich enttäuscht: Auf der Straße waren mehr Weiße (meistens ältere Ehepaare) als Inder, in der Nacht war überhaupt nichts los und es war nicht mal möglich ein indisches Frühstück zu bekommen, weil alles auf die Bedürfnisse des durchschnittlichen Touristen abgestimmt war. Immerhin haben wir abends am Strand noch vier junge, in Candolim arbeitende, Inder getroffen, die dort ihre ganz private Beach-Party gefeiert haben. Sie waren ein wenig betrunken und hatten viel Interessantes und Lustiges zu erzählen.
Nichtsdestotrotz sind wir nach einem Tag Aufenthalt weiter Richtung Norden in die vom Reiseführer als Partyhochburg beschriebene Stadt Anjuna gefahren, wo wir dann auch den Rest unserer Reise verbracht haben. Der Strand dort war zwar auch nicht viel anders, als an der Ostsee, aber es waren wenigstens weniger Los und es gab andere junge Leute (vorwiegend Russen, Engländer, Deutsche, Franzosen, andere Westeuropäer und Inder aus der näheren Umgebung von Goa). Außerdem war es zumindest etwas weniger touristisch erschlossen.
Wir haben uns dann für 150 Rupien (= 2,15€) am Tag ein Mofa ausgeliehen und tagsüber am Strand gelegen oder die Gegend erkundet. Abends haben wir uns dann auf die Suche nach den berüchtigten Goa-Partys gemacht.

Die Goa-Partys

Das Finden von einer der berüchtigten Goa-Partys hat sich allerdings, obwohl unsere Gegend mit Sicherheit die Nachtaktivste war, als relativ schwierig herausgestellt hat. Die meisten Einheimischen haben auf die Frage nach Partys geantwortet, dass Goa vor vier Jahren noch viel viel geiler war und mittlerweile die Partyszene, durch vermehrte Drogenrazzien und strengere Ahndung von offiziell verbotener lauten Musik nach 10:00 Uhr, einen herben Rückschlag erlitten hat. Nach intensiven Recherchen haben wir dann doch einige Partys gefunden, die allerdings überwiegend in Clubs waren, die denen in Europa sehr ähnlich sind. Von dem für Goa typischen haben wir nur eine wirklich gute Beach-Party und eine 36 Stunden Party ausfindig machen können, auf die wir aber, wegen der ätzenden Musik und der geringen Besucherzahlen, nicht gegangen sind.
Es kann allerdings sein, dass während der Hauptsaison etwas mehr exzessive Partys stattfinden, aber dafür ist es zu der Zeit wahrscheinlich auch hoffnungslos überfüllt und die Preise steigen.

Fischen

In Anjuna hatten wir am Strand einige der jeden Tag dort losfahrenden Fischer gefragt, ob es möglich ist am nächsten Tag mit raus zufahren, um mitzuerleben, wie das Fischen so abläuft. Das war kein Problem und so sind wir dann mit einem ca. sieben Meter langen und eineinhalb Meter breiten, durch einen Außenborder betriebenen Boot eine Stunde weit hinaus aufs Meer gefahren. Dort haben wir das sehr grob geschätzt 700  Meter lange Netz ausgelegt und uns die Stunde Wartezeit mit erfolglosem Tintenfischangeln vertrieben. Danach haben wir das Netz wieder eingeholt und dabei die sehr geringe Ausbeute von vier kleinen Fischen erzielt. Die Fischer meinten allerdings, dass das zwar gelegentlich vorkommt, aber nicht die Regel ist. Aufgefallen ist uns, dass extrem viele Fischer unterwegs sind. Auf dem Wasser sind wir mindestens 20 kleineren und größeren Fischerkähnen begegnet und die Fischer haben uns erzählt, dass einige von denen bis zu acht Tage draußen bleiben. Da ist es eigentlich kein Wunder, dass die Fische immer weniger werden.

Goa und Indien

Was Goa angeht hatten die Leute im Zug auf jeden Fall Recht. Es ist ganz anders als  Hyderabad und nicht wirklich Indien:
Es ist sauberer, ruhiger, es gibt Weiße, überall sind manchmal lustige und manchmal lästige Händler, Ohrenputzer, Motorradverleiher, Taxifahrer und alle versuchen, manchmal sogar bis zum Sechsfachen des normalen Preises, zu bescheißen. Die Preise sind aufgrund der vielen Touristen insgesamt höher und zehn Minuten Jetski fahren kostet sogar ca. 15 Euro (haben wir bei dem Preis schon aus Prinzip nicht gemacht). Das Essen ist ca. dreimal so teuer, dafür kann man allerdings für umgerechnet drei Euro auch eine richtig westliche Mahlzeit bekommen, die es in Hyderabad nicht gibt. Außerdem ist der Alkohol aufgrund der geringeren Steuer nur halb so teuer (600ml Bier kosten umgerechnet 80 Cent) und vor allem kann man einfach so auf der Straße Alkohol trinken, was in Hyderabad nicht nur offiziell verboten, sondern auch extrem verpönt ist.
Wir haben übrigens in einem Supermarkt in Goa, der denen in Deutschland von der Auswahl her um nichts nachsteht, auch Vodka für umgerechnet 100 Euro gesehen. Das ist etwas mehr, als das durchschnittliche Monatsgehalt eines Kellners in Goa plus Trinkgeld.

Alles in allem war es sehr interessant und wir haben auch viel erlebt (nur nicht so viel von den berühmten Goa-Partys).

Neues aus Hyderabad

Hier in Hyderabad hatten wir vorgestern ein Treffen mit den anderen Freiwilligen und Steffi, der für uns zuständigen Person unserer deutschen Entsendeorganisation VIA e.V. Sie reist momentan durch Indien, um alle Freiwilligen in den jeweiligen Projekten zu besuchen und eventuelle Probleme zu klären.

Was meine Arbeit angeht, plane ich gerade zwei erwähnenswerte neue Projekte.
Das eine ist ein Anti-Gewalt-Kurs, der so aussehen soll, dass alle Kinder, die sich geschlagen haben, zu mir geschickt werden, um sich mit mir über die Ursachen, Folgen und den (Un)Sinn von Gewalt  zu unterhalten.
Die Schwierigkeit dabei besteht darin, dass es hier sehr häufig freundschaftliches Gerangel und Kräftemessen gibt, was nur in einigen Fällen völlig unvorhersehbar in eine ernsthafte Schlägerei ausartet. Außerdem ist uns mittlerweile aufgefallen, dass die Angestellten hier auch häufiger mal, zum Teil sehr willkürlich, Schläge austeilen. Dies wird allerdings, da es gegen die auf Gewalt und eigentlich sogar auf jede Bestrafung verzichtende Don Bosco Ideologie verstößt, verheimlicht und von den Angestellten und dem Direktor konsequent geleugnet.
Das zweite Projekt ist das Geben von Englischunterricht. Wir haben jetzt mehrfach den täglich stattfindenden, von den ganz normalen Angestellten/nicht von Lehrern durchgeführten, Englischunterricht angeguckt und festgestellt, dass er uneffektiv und für die Kinder eigentlich reine Zeitverschwendung ist. Ich habe den Eindruck, dass die Jungen durchaus englisch lernen wollen, aber durch die schlechte Durchführung des Unterrichts ist der Lerneffekt gering und weil der „Lehrer“ sich unzureichend vorbereitet, endet der Unterricht meistens damit, dass nach der hälfte der vorgesehenen Stunde Schluss ist und die Jungen den Rest der Zeit alleine im Raum sitzen.
Also werde ich mich mal versuchen und demnächst anfangen zumindest einmal die Woche den Unterricht übernehmen.

In meiner Freizeit jogge ich immer noch (habe ich bisher fast durchgehend zwei bis vier Mal die Woche gemacht), lese die mitgebrachten Bücher, lerne ein wenig systematisch Englisch, versuche mich in Schach, übe Zehn-Finger-Tippen an meinem Laptop (der ganze Beitrag ist übrigens auch schon mit zehn Fingern geschrieben) und gucke Filme auf meinem Laptop (an der Stelle noch mal vielen Dank an Mike für den sehr nützlichen Laptop und die vielen Filme).
An unserem freien Tag erkunden wir außerdem Hyderabad und gehen ab und zu ins Kino. So habe vorgestern das erste Mal einen 3D Film der neueren Generation gesehen und ich fand es sehr faszinierend.

Mir geht es Gut und könnte nicht besser sein!

Viele Grüße

Anton

PS: Auf Fotos Machen hatte ich in Goa keine Lust. Sorry =)

Fluthilfe in Karnool

13. November 2009

Wie im letzen Blogeintrag angekündigt war ich eine Woche in der Nähe von Karnool, um dort nach der verheerenden Flut bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Erik und David (der andere Freiwillige hier) waren die ersten drei Tage auch dabei, sind dann aber zurückgefahren, weil Erik einen Termin bei dem für den Führerschein verantwortlichen Amt hatte.

Gefahren sind wir per Bus, zusammen mit ca. 13 anderen, uns bis dahin unbekannten Don Bosco Angehörigen, die gerade ihr Theologiestudium absolvieren, um Priester zu werden.

Untergebracht waren wir dort in einem Don Bosco Gebäude, dass als kleiner Kindergarten bzw. Schule dient. Jeden morgen sind wir um 6:00 Uhr aufgestanden und dann per Jeep zu einer nahe gelegenen Kirche gefahren worden. Dort gab es dann die ca. 40 Minuten dauernde Morgenmesse, bei deren letztem Abendmahl ich, weil ich nicht getauft bin, keine Backoblate abholen durfte.

Die Tatsache, dass ich keine Religion habe, ist für die meisten Inder übrigens sehr schwer nachvollziehbar, wird aber nicht negativ aufgenommen (glaube ich zumindest).

Nach der Messe sind wir dann in ein Restaurant gefahren, um zu frühstücken (das komplette Frühstück für ca. 15 Personen hat dabei umgerechnet ca. neun Euro gekostet). Danach sind wir  mit dem Jeep ca. eine Stunde bis in ein Dorf gefahren, in dem wir dann die Erde und die Steine aus einzelnen Häusern geschaufelt haben. Um 14:00 Uhr gab es dann in dem Dorf das von den an dem Hilfsprojekt teilnehmenden Nonnen zubereitete Essen. Am späten Nachmittag sind wir dann, nach ein paar Gesprächen mit den Dorfbewohnern, zur Unterkunft zurückgefahren und hatten noch ein bis zwei Stunden Zeit, bis wir mit dem Jeep wieder zur Kirche zum Abendessen gebracht wurden.

Die eine Woche war sehr interessant und das Programm hat sich in den letzten Tagen auch noch geändert. So konnte ich dabei sein, wie Hilfspakete an die Dorfbewohner und Schreibhefte an verschiedene Dorfschule verteilt wurden. Außerdem haben wir an einem Tag in Dreiergruppen Unterricht an den Grundschulen gegeben und Kekse an die Schüler verteilt.

Nach einer Woche ging es dann zusammen zurück nach Hyderabad, wobei wir beim Umsteigen eineinhalb Stunden lang auf dem Busbahnhof  gewartet haben, weil einige der Studenten nur einen Bus mit Fernseher nehmen wollten………… Schließlich haben wir dann aber doch einen normalen Bus genommen, weil keiner mit Fernseher kam.

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So und ähnlich sah es ca. drei Wochen nach der Flut, als wir ankamen allen Dörfern der Region aus. Je nach Bauart der Häuser variiert auch die Zerstörung, die die bis zu acht Meter hohe Flut angerichtet hat. Einige Häuser sind sogar komplett erhalten geblieben, wohingegen von anderen nicht mal mehr Überreste zu finden sind.

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Man konnte von einem Wasserturm aus noch das übrig gebliebene Wasser der Flut erkennen. Zu sehen ist ein Fluss, der allerdings weit über die Ufer getreten ist.

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Mit kurzen Schaufeln und Metalltellern haben wir die Erde aus den Überresten der Häuser entfernt. Dieses Werkzeug ist übrigens die Standardausrüstung für jede Bautätigkeit und Arbeit dieser Art. Dabei haben mich einige dieser Metallteller ziemlich aufgeregt, weil die unnötigerweise zum Teil so dick und klobig sind, dass sie schon in leerem Zustand zwei Kilo wiegen. Jeder Plastikeimer (und Plastikeimer gibt es hier zu genüge) wäre da meiner Meinung nach besser geeignet.

Den Mundschutz hatten wir übrigens bitter nötig. Einerseits für die sehr unbequemen Fahrten hinten im Laderaum des Jeeps (auf holpriger und staubiger Straße). Und zum anderen für die Arbeit in den Dörfern. Die Erde war echt sehr staubig und ich habe trotz Mundschutz nach drei Tagen angefangen Husten zu kriegen.

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Die vollen Teller wurden per Menschenkette nach draußen transportiert. Die Nonnen (ich nenne sie auf deutsch einfach Nonnen – auf englisch nennen die sich alle einfach nur „sisters“ und „brothers“) haben am letzten Tag auch mitgearbeitet, waren aber ansonsten für die Versorgung zuständig und sind in die Schule gefahren.

Die Dorfbewohner haben zum Teil sehr engagiert bei der Reinigung ihrer eigenen Häuser mitgeholfen, waren alles in allem aber eher phlegmatisch. Vielleicht saß ihnen der Schock noch in den Gliedern oder vielleicht stört es sie nicht in einer Ruine zu leben oder vielleicht sind sie faul oder irgendetwas anderes. Ich wage nicht, das mit meinem bescheidenen Wissen über die Zustände hier auf dem Land zu beurteilen. Die vielen sogar bei kühlem Wetter einfach nur rumsitzenden und sich unterhaltenden jungen Männer haben auf jeden Fall einen seltsamen Eindruck gemacht (gerade dann, wenn das halbe Dorf in Trümmern liegt und sogar welche von außerhalb kommen um zu helfen).

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Ich habe mir für die Arbeit extra noch einen Kopfschutz aus einem Haarnetz der Bäckerei, welches ich durch Zufall noch in der Hosentasche hatte, gebastelt. So mussten meine, durch die neuerdings kurzen Haare entblößten Ohren und mein Nacken nicht zu sehr unter der Sonne leiden.

Nachtrag (für alle die, die sich wundern): Das Hemd habe ich mir extra in Karnool gekauft, um auch meine Arme vor der Sonne zu schützen. Ich bin nicht grundsätzlich auf das Tragen von Hemden umgestiegen!

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So sah eines der ehemaligen Häuser aus, nach dem wir es gereinigt hatten. An der Wand kann man noch erkennen, dass die Erde ca. 30 cm hoch war.

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Der Reinigungsprozess bei einer anderen Ruine.

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Bei der Verteilung der Lebensmittel und Haushaltswaren haben sich vor den Lastwagen lange Schlangen gebildet. Für die Durchführung der Verteilung sind bereits einige Tage vorher Listen über die in dem Dorf lebenden Familien erstellt und an jede Familie ein Gutschein mit Unterschrift ausgeteilt worden. Mit diesem Gutschein konnte sich dann jede Familie einen Sack Reis, ein Packet Öl und einen Sack Haushaltswaren abholen.

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Der Mann mit der weißen Mütze ist der Leiter des Fluthilfeprogramms. Er wurde nach der Verteilung der Hilfsgüter von den Leuten bedrängt, die nichts erhalten hatten (weil sie in anderen Dörfern leben – somit keinen Gutschein hatten – und an dem Tag nur durch Zufall vorbeigekommen waren). Das aufdringliche Betteln endete dann damit, dass wir uns in den Jeep geflüchtet haben und weggefahren sind. Auf der Rückfahrt sind wir dann mit den beiden Lastwagen im Konvoi gefahren, um zu verhindern, dass diese auf der Straße durch andere Dörfer angehalten und belagert werden.

Einen Tag nach der Verteilung der Hilfspakete ist eine Familie, die bei der Auflistung in dem Dorf vergessen worden ist, bis zur Kirche gekommen, um sich zu beschweren (eineinhalb Stunden Fahrtweg mit dem Bus). Als der Leiter ihnen dort dann noch nachträglich die entsprechenden Säcke angeboten hat, haben sie verlangt, dass diese bis zu ihnen nach Hause gebracht werden. Nachdem er ihnen gesagt hatte, dass das mit Sicherheit nicht geht, haben sie die Hilfsgüter nicht angenommen und sind nach einer Weile unter energischem Protest wieder gegangen. Die Familie fühlte sich dadurch, dass sie vergessen wurde, so gekränkt, dass sie lieber auf die Waren verzichtet hat, als sie zumindest im Nachhinein zu erhalten. Vergessen wurde die Familie übrigens deshalb, weil sie im Dorf nicht beliebt ist und darum von den anderen Familien verschwiegen wurde.

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Ausschnitt einer Grundschulklasse. Insgesamt umfasst die Klasse ca. 100 Schüler.

Wieder zurück

Seit ich wieder zurück bin nimmt hier alles seinen gewohnten Lauf und wir sind gerade dabei, die Bäckerei einer gründlichen Reinigung zu unterziehen. Dabei ist die größte Herausforderung, die Jungen dazu zu bringen überhaupt anzufangen und dann nicht nach zwei Minuten immer wieder zu behaupten sie seien fertig mit putzen.

Alles in allem geht es mir immer noch hervorragend und wir (Erik, David und ich) haben bereits unsere Tickets gekauft, um ab dem 17. November für ein Woche Urlaub in Goa zu machen. Das Zugticket für die 17 Stunden dauernde Fahrt nach Goa kostet umgerechnet übrigens zehn Euro pro Person!

Viele Grüße

Anton

Man gewöhnt sich…

25. Oktober 2009

Jetzt bin ich ziemlich genau einen Monat in Indien und  mir geht es immer noch sehr gut!!!

Alltag

Erik und ich haben mittlerweile das Zimmer gewechselt und sind jetzt nicht mehr im Gästehaus, sondern in dem Gebäude, wo einige der Jungen schlafen. Unser neues Zimmer hat  zum Glück fast dieselbe Ausstattung, wie das alte.

Mit Erik versteh ich mich immer noch sehr gut und wir haben keinerlei Probleme miteinander.

An unserem Tagesablauf hat sich nicht viel geändert, außer dass ich mittlerweile fast jeden Tag um 6:00 Uhr aufstehe, um auf dem Gelände hier joggen zu gehen (häufig mit Erik und Kishore). Kishore ist hier mittlerweile unser bester Freund geworden, weil er immer gute Laune hat, lustig ist, und viel Interessantes zu erzählen hat. Er ist 19 Jahre alt und auch als Straßenkind in das Projekt hier gekommen. Mittlerweile leitet er hier für 3000 Rupien (=42 Euro) pro Monat die Bäckerei. Zusätzlich kriegt er, genau wie alle anderen Meister, Unterkunft und Verpflegung. Die normal angestellten Meister kriegen allerdings 7000 Rupien (=100 Euro) pro Monat und teilen sich jeweils zu zweit ein Zimmer, wohingegen Kishore weiterhin bei den anderen Jungen schlafen muss.

Wir arbeiten hier weiterhin fast den ganzen Tag, aber das ist machbar, weil wir sehr frei entscheiden können, was wir machen wollen. Unsere Arbeit besteht hauptsächlich darin, die Verbesserungsmöglichkeiten in dem Projekt zu erkennen und dafür zu sorgen, dass sie umgesetzt werden, in den verschiedenen Abteilungen (Bäckerei, Tischlerei, Schweißerei, Elektronik/Klempnerei, Schneiderei, Druckerei und Computer) zu helfen, mit den jungen zu spielen (vorwiegend Basketball, Fußball und Volleyball) und uns mit ihnen zu unterhalten. Zu den Verbesserungsmöglichkeiten gehört z.B. die Elektronik-/Klempnerabteilung dazu zu bringen einige der kaputten Glühlampen, Wasserhähne und Ventilatoren zu ersetzten/reparieren, die Tischlerei mit der Produktion eines Zeitungsständers zu beauftragen, die Netze der Fußballtore zu reparieren (damit man auch in knappen Situationen erkennen kann, ob der Ball im Tor war oder nicht), auf einem aufgrund von Virenbefall nicht mehr startbaren Computer das Betriebssystem neu zu installieren (ist noch in Planung), die Abfallverwertung durch die Anschaffung von zwei Hausschweinen voranzutreiben und dem Bäcker die Realisierung neuer Rezepte zu ermöglichen.

In meiner Freizeit mache ich hier viel Sport, lese (Bücher über Indien, die ich aus Deutschland mitgenommen habe) und versuche mein Englisch zu verbessern. An unserem freien Tag (Freitag) gehen wir ins Kino oder gucken uns Sehenswürdigkeiten bzw. interessante Orte der Stadt an. Ich habe zwischenzeitig auch schon angefangen die hier verbreitete Regionalsprache Telugu zu lernen, mittlerweile aber zugunsten anderer Tätigkeiten erstmal wieder damit aufgehört.

Ich habe übrigens inzwischen eine eigene Handynummer: 0091-9550707053

Die nächsten Tage

Morgen werden wir aber erstmal zusammen mit einigen Don Bosco Angestellten für vorerst unbestimmte Zeit (wir können uns aussuchen wie lange und planen bisher ca. eine Woche) in eine andere Stadt fahren, um dort den Flutopfern zu helfen. In Südindien war nämlich vor kurzer Zeit, aufgrund sehr starker Regenfälle, eine außergewöhnlich zerstörerische Flut, bei der zum Teil ein Anstieg des Wasserspiegels um 8 Meter erreicht wurde. Hyderabad ist aufgrund seiner geographischen Lage zum Glück nicht betroffen.

Langfristige Planung

Unser Projektleiter hat uns gesagt, dass wir jetzt noch ca. drei Monate in diesem Projekt bleiben und danach auf zwei andere Don Bosco Projekte in Hyderabad aufgeteilt werden (eines davon dient als erstes Auffangbecken für alle Neuankömmlinge und das andere ist ausschließlich für kleine Kinder, die von dort aus zur Schule gehen). Nach weiteren drei Monaten soll dann noch getauscht werden, sodass jeder insgesamt drei Monate in jedem Projekt war. Wir haben bisher geplant, nach den ersten drei Monaten hier eine gemeinsame Wohnung zu mieten und dann von dort aus jeden Morgen zu dem jeweiligen Projekt zu fahren. Mal sehen, was daraus wird…

Außerdem ist Erik gerade dabei seinen indischen Motorradführerschein zu machen („machen“ bedeutet hier nicht Fahrstunden nehmen, sondern einen Broker bezahlen, der gute Beziehungen hat und an den richtigen Stellen ein wenig Geld bezahlt, warten und glück haben). Wenn er seinen Führerschein dann hat, werden wir hier etwas mehr herumfahren und uns mal auf die Suche nach einem passenden Badmintonverein machen (es gibt hier in Hyderabad ca. fünf Stück).

Treffen mit anderen Freiwilligen

Vor ein paar Tagen haben wir uns mit sechs (der siebte ist nicht gekommen) anderen deutschen Freiwilligen in Hyderabad getroffen und festgestellt, dass wir insgesamt zwölf sind (fünf in den Don Bosco Projekten und sieben weitere auf andere Organisationen verteilt). Die Freiwilligen sind alle nett und wir werden uns bestimmt irgendwann mal wieder treffen, um gemeinsam einen freien Tag zu verbringen.

Diwali und Atombomben

Am 17. Oktober war hier das Hindufestival Diwali (Fest der Lichter), das jedes Jahr mit drei Tagen/Abenden Feuerwerk gefeiert wird. Auch unseren Jungs haben durch einen privaten Sponsor Feuerwerk bekommen (das eigentlich dafür vorgesehene Geld wurde für die Fluthilfe verwendet). Die Begeisterung für Feuerwerk ist hier in Indien und besonders bei den Jungen des Projektes besonders stark ausgeprägt und so war das vorher in harter Arbeit gerecht verteilte Feuerwerk innerhalb von einigen Minuten der absoluten Ekstase vernichtet.

Erik und ich haben uns den Spaß gemacht, zu einem der extra für den Verkauf von Feuerwerk errichteten Läden zu gehen und nach den stärksten Böllern zu fragen. Schließlich erhielten wir dann für 100 Rupien (=1,43€) eine Schachtel mit zehn runden, etwas mehr als Tischtennisballgroßen Böllern mit der der Aufschrift „ATOM BOMB“. Und die Böller sind wirklich verheerend. Ich wage sogar zu behaupten, es sind die stärksten frei verkäuflichen Böller, die ich jemals in meinem Leben in der Hand gehalten haben werde. Sie erzeugen eine Explosion in Form eines Lichtballs mit ca. einem halben Meter Durchmesser, eine auf mehr als sechs Meter spürbare Druck bzw. Wärmewelle und einen Knall, der dir Ohren zudrückt. Des Weiteren können sie Papayas und Kokosnüsse jeder Art mit Leichtigkeit in Luft auflösen. Nach einigen Zündungen (der Anzünder muss sehr schnell rennen und hat kaum noch zeit sich wieder zum Böller umzudrehen) haben wir allerdings festgestellt, dass die Zündschnur sehr unterschiedliche und manchmal extrem kurze Brennzeiten hat, woraufhin wir aus Sicherheitsgründen mit dem Böllern aufgehört haben.

Unsere Visaregistrierung

Wir haben die Registrierung unseres Visums mittlerweile abgeschlossen und mussten dafür nur noch zwei Mal in das dafür vorgesehen Office, wobei wir allerdings jedes Mal vier bis fünf Stunden dort verbrachten. Beim ersten Mal haben wir nach ca. zwei Stunden Wartezeit die notwendigen  Dokumente eingereicht und wurden angewiesen, bis zur Fertigstellung der Registrierung zu warten. Nach weiteren drei Stunden warten wurde uns dann allerdings mitgeteilt, wir sollten am nächsten Tag wiederkommen… Am nächsten Tag durften wir dann aber nach noch mal vier Stunden warten unsere fertigen Registrierungsdokumente in Händen halten.

Mit der Bürokratie und vor allem mit Dokumenten haben die es hier wirklich: Für die Registrierung mussten wir jeweils ca. zehn Kopien von Dokumenten und drei Passfotos abgeben.

Bei der Registrierung der SIM-Karte ist das ähnlich und bei Erik hat der Anbieter die Registrierung erst fertiggestellt, nachdem er über Eriks Personalausweis einen Beweis für seinen Wohnort in Deutschland hatte (ohne Beweis für die Adresse in Deutschland geht es auf keinen Fall und das hochoffiziellen Visaregistrierungsdokument war nicht Beweis genug)…

Fotos

Hier in Indien ist es übrigens kein Problem Fotos zu machen. Die Leute freuen sich in der Regel und können nicht genug kriegen. Sehr überrascht war ich allerdings, als ich mit der Zeit feststellte, dass lächeln hier auf Fotos überhaupt nicht angesagt ist. Sobald die Leute bemerken, dass eine Kamera auf sie gerichtet ist, versuchen sie stattdessen so lässig und ernst wie möglich zu gucken.

Viel schwieriger ist es hier von den fotografierenden Indern in Ruhe gelassen zu werden. Es passiert immer wieder, dass Inder auf uns zu kommen und ein Foto von uns mit ihnen machen wollen. Wenn man dann darauf eingeht, werden allerdings nur noch mehr Fotoapparat- bzw. Handybesitzer angelockt, die sich vorher wahrscheinlich nicht getraut haben zu fragen, aber durch den Erfolg ihrer Landsleute ermutigt worden sind. Extrem lustig sind allerdings diejenigen, die versuchen ein Foto oder ein Video von uns zu machen, ohne dass wir es merken. Sie tun dann so, als ob wir gar nicht das eigentliche Motiv wären, sondern irgendetwas neben, vor oder hinter uns. Dabei stellen sich die meisten aber ausgesprochen dämlich an.

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Einige der Kinder beim Spielen auf dem Fußballfeld.

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Die Jungen beim Mittagessen.

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Links: das Gebäude, dessen Zimmer an Private Interessenten vermietet werden. Rechts: das Gästehaus mit unserem ehemaligen Zimmer und dem Speisesaal für das Personal.

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Das Gebäude, in dem sich die Druckerei befindet.

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Das Gebäude, in dem sich die Schneiderabteilung und die Klassenräume befinden. Unterricht findet allerdings nur in form von einer Stunde täglichem Englischunterricht statt.

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Einer der Schlafräume der Jungen.

Das Projekt hat insgesamt noch sehr viele freie Räumlichkeiten. Sowohl in dem Gebäude, in dem die Jungen und die Angestellten (und mittlerweile auch wir) untergebracht sind, als auch in dem Gebäude der Schneiderei ist ca. ein ganzes Stockwerk (30% der Räume) ungenutzt. Dies liegt einfach daran, dass das Projektgelände eigentlich für mehr Kinder konzipiert ist, auf volle Auslastung aber anscheinend nicht so viel Wert gelegt wird.

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Die neuste und wahrscheinlich extrem teure Maschine in der Druckerei (zur Produktion von Druckvorlagen).

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Die Druckmaschinen der Druckerei.

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Die Buchbinde und Schneidemaschine der Druckerei (die im Foto mittlere, automatische und modernere Schneidemaschine ist kaputt, wodurch nur die hintere Maschine verwendet wird).

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Der Computerraum, der sich in demselben Gebäude, wie die Druckerei befindet und vorwiegend für Tippübungen, Fotobearbeitung und Layoutgestaltung genutzt wird.

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Der Raum, in dem die Anfänger mit Abfallmaterialien nähen üben.

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Die Abteilung der Schneiderei, in der die fortgeschrittenen Schüler Kleidung schneidern.

Einige der Abteilungen (Tischlerei, Schneiderei und Druckerei) produzieren nicht nur für den Bedarf der Don Bosco Projekte in Indien, sondern nehmen auch Aufträge von außerhalb an, um etwas Geld in die Kassen zu bekommen und den Kindern die Möglichkeit zu geben das entsprechende Handwerk zu erlernen (das wäre bei chronischer Unterbeschäftigung nur schwer möglich). Die Auslastung der einzelnen Bereiche ist allerdings sehr unterschiedlich und hängt auch von der momentanen Auftragslage ab.

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Eine katholische Figurenkomposition auf dem Projektgelände.

Die Kinder sind übrigens durch das tägliche, verpflichtende, allgemeine Abendgebet doch mindestens einem Bekehrungsversuch ausgesetzt.

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Einer der auf dem Projektgelände und auch sonst überall kultivierten Müllhaufen, der sobald er eine bestimmte Größe erreicht angezündet und somit entsorgt wird.

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Der kleine Shop, zu dem wir häufig gehen, um Kleinigkeiten einzukaufen. Für regelmäßig notwenige Besorgungen gehen wir in einen Supermarkt, der einen Großteil von dem zu bieten hat, was auch in deutschen Supermärkten erhältlich ist (natürlich zu einem Bruchteil des Preises).

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Die Gemüseauslage des kleinen Geschäfts.

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Blick auf eine der Hauptstraßen zu einer Zeit mit vergleichsweise sehr wenig Verkehr. Das Schild zur Geschwindigkeitsbegrenzung findet übrigens keinerlei Beachtung.

Viele Grüße an alle, die dies hier lesen und mich kennen.

Anton

Wer konkrete Fragen hat kann entweder einen Kommentar oder eine Email an antonibus@goer33.de schreiben.

Erste Eindrücke

28. September 2009

Eine Woche nach meiner Ankunft in Indien mein erster richtiger Blogeintrag. Da ich erstmal damit beschäftigt war mich hier einzuleben, habe ich erst jetzt Zeit und Ruhe dafür gefunden…

Allem vorweg: Ich fühle mich hier sehr wohl und alles ist prima!!!

Erik und ich sind am 20. September um 5:00 Uhr morgens in Hyderabad am Flughafen angekommen. Dort wurden wir von einer, vor ca. drei Wochen angekommenen, Freiwilligen aus Deutschland und einem Mitarbeiter des Don Bosco Projektes empfangen und anschließend mit dem Auto in das Projekt gefahren. Für Schlaf blieb dann erstmal keine Zeit mehr, weil alle Anderen schon wach waren und so haben wir uns am ersten Tag das Projekt zeigen lassen und  erste Eindrücke gewonnen.

Außerdem war ich für umgerechnet 0,70€ beim Frisör (Vorher-Nachher-Vergleich in der Kategorie „About Me“).

Das Gelände des Projektes liegt zwar mitten in der Stadt, ist aber etwas abgelegen von den großen Straßen, sehr weitläufig und wirklich extrem gut ausgestattet.

Die 120 Kinder hier sind ca. zwischen 6 und 16 Jahre alt und wurden alle von der Straße weggeholt. Sie schlafen hier in einem eigenen Gebäude mit Mehrbettzimmern, kriegen drei Mal am Tag eine Mahlzeit, fließend Wasser und gehen unterschiedlichen Tätigkeiten nach. Die kleinen spielen fast den ganzen Tag und die anderen gehen entweder zum Schulunterricht oder machen eine Art Ausbildung auf dem Gelände des Projektes.

Die Kinder und das Projekt

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Einige Kinder aus dem Projekt.

Einige Kinder aus dem Projekt und ich.

Einige Kinder aus dem Projekt und ich.

Die Kinder sind hier sehr freundlich und hilfsbereit. Bereits am ersten Tag haben sie uns diverse Begrüßungshandschläge beigebracht und am Abend war eine gelungene Tanzaufführung (nicht extra für uns), bei der einige von ihnen Bollywoodchoreografien und Michael Jackson (sein Tanzstil scheint hier insgesamt viele Nachahmer zu haben) nachgetanzt haben. Außerdem haben sie dadurch, dass hier schon viele Freiwillige waren gar keine Berührungsängste und auch die Ehrfurcht ist zum Glück sehr gering.

Die Kommunikation ist leicht, weil die meisten Kinder mindestens ein bisschen und die Personalmitglieder sehr gut englisch sprechen. Nur die Aussprache ist etwas gewöhnungsbedürftig und erfordert genaues Zuhören und etwas Fantasie.

Die Bäckerei.

Die Bäckerei.

Der Ofen der Bäckerei.

Der Ofen der Bäckerei.

In der zum Projekt gehörenden Bäckerei lernen die etwas Jüngeren unter Anleitung von einem sehr erfahrenen Jugendlichen, das Weißbrot und die Cookies für das Projekt zu backen.

Die Elektronikabteilung in der Werkhalle.

Die Elektronikabteilung in der Werkhalle.

Die Schreinerabteilung in der Werkhalle.

Die Schreinerabteilung in der Werkhalle.

In der Elektronik-, der Schreiner-, der Schneiderabteilung (Foto vergessen), der sehr gut ausgestatteten Druckerei (auch Foto vergessen) und der Computerabteilung (noch mal Foto vergessen) läuft es ähnlich, wie in der Bäckerei: Die Unerfahrenen lernen von den Erfahrenen (entweder Erwachsene oder Jugendliche). Auch hier wird ausschließlich für den Eigenbedarf des Projektes produziert bzw. repariert.

Das Cricketfeld und ein Teil "Skyline" von Hyderabad.

Das Cricketfeld und ein Teil „Skyline“ von Hyderabad.

Das Fußballfeld (ein anderes, als das Cricketfeld) und noch ein wenig Hyderabad.

Das Fußballfeld (ein anderes, als das Cricketfeld) und noch ein wenig Hyderabad.

Nochmal das Fußballfeld und eines der Gebäude (darin befinden sich die Schneiderei, der TV-room und mehrere ungenutzte Räume.

Noch mal das Fußballfeld und eines der Gebäude (darin befinden sich die Schneiderei, der TV-Room und mehrere ungenutzte Räume.

In ihrer Freizeit (vor allem am späten Nachmittag) spielen die Kinder Fußball, Basketball, Volleyball oder Cricket auf den entsprechenden zum Projekt gehörenden Plätzen. Dabei spielen aber in einem Fußballteam nicht elf Spieler sondern so ca. 20 und dadurch, dass eh überall jemand steht und die wenigsten wissen, wer in ihrem Team ist, rennen einfach alle wild auf den Ball zu und schießen ihn volle Möhre in Richtung des gegnerischen Tors. Durch die tägliche Übung sind sie in den genannten Sportarten aber wirklich ganz gut.

Der TV-room

Der TV-Room

Zu bestimmten Zeiten und wenn es regnet (ist bisher trotz Monsunzeit nur einmal vorgekommen) sitzen die Kinder in diesem so genannten „TV-Room“ und spielen diverse Spiele oder gucken Cartoons, seichte Comedy oder Cricket (die Comedy und auch andere Filme sind teilweise wirklich so extrem billig und schlecht gemacht, dass mir nicht mal was Vergleichbares im deutschen Fernsehen einfäl – und das will schon was heißen). Außerdem findet in diesem Raum regelmäßig eine Art Unterricht statt.

Die Küche mit 2 der Köchinnen.

Die Küche mit zwei der Köchinnen.

In der Küche arbeiten nur Frauen. Das Essen ist immer etwas ähnlich.

Zum Frühstück:

Das mit ca. einem Drittel Zucker gebackene, unserem abgepackten Toastbrot sehr nahe kommende, Weisbrot aus der Bäckerei, Eierkuchenähnliche indische Fladen, total Süße Marmelade und Linsensoße/-brei.

Am Mittag und Abend:

Reis, die bereits genannte Linsensoße, Fladenbrot (anders als das Eierkuchenähnliche), abwechselnde Gemüsesorten, bisher zweimal Fleisch oder Fisch und Joghurt.

Nachtisch:

Bananen, Papaya, Granatapfelkerne oder Äpfel.

Zwischendurch:

Kaffe und Tee mit viel Zucker, leckere Cookies aus der Bäckerei, irgendwie bearbeitete Erdnüsse und einen anderen Snack, der lecker, aber für mich schwer beschreibbar ist.

Alles in allem ist das Essen lecker, manchmal jedoch ziemlich scharf.

Getrunken wird Wasser (welches für die Angestellten noch extra gefiltert wird, obwohl das normale Leitungswasser auch schon sehr gute Qualität hat) und manchmal Cola.

Bisher hatte ich noch überhaupt keine Probleme mit Durchfall oder sonstigen Krankheiten und die Mücken, von denen es hier zu dieser Jahreszeit (Monsun) relativ viele gibt, scheinen nur sehr, sehr selten Denguefieber oder Malaria zu übertragen. Außerdem haben wir Moskitonetze und einen Insektengiftausdünster.

Das Essen der Jungen ist es übrigens wesentlich schlichter und abwechslungsloser als unseres.

Der Boden, auf dem die Kinder sitzen, wenn sie essen und das Regal, in dem sie ihr Geschirr aufbewahren.

Das Geschirr der Kinder lagert säuberlich durchnummeriert in diesem Regal und die Kinder essen getrennt vom Personal auf dem gekachelten Boden vor dem Regal.

Der Tisch, an dem wir zusammen mit dem restlichen Personal essen.

Der Tisch, an dem wir zusammen mit dem restlichen Personal essen.

Die Einheimischen essen zwar alle mit der Hand, aber es ist kein Problem, dass wir an dem uns geläufigen Besteck festhalten.

Eines der Bilder, die in den Projektgebäuden rumhängen.

Eines der Bilder, die in den Projektgebäuden rumhängen.

Ein zweites der Bilder, die in den Projektgebäuden rumhängen.

Ein zweites der Bilder, die in den Projektgebäuden rumhängen.

Dass Don Bosco ein katholischer Orden ist, bleibt natürlich nicht komplett verborgen und so schmücken diese und ähnliche Bilder nahezu alle Gebäude des Projektes. Sie erinnern mich immer ein wenig an Dragonball und das Allerschärfste sind Wackelbilder in A4-Größe, die je nach Blickwinkel Don Bosco oder die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind zeigen.

Außerdem gibt es hier einen Gebetsraum mit Altar, Plastikblumen und den weißen Gartenstühlen. Die Kinder kommen allerdings lobenswerterweise, abgesehen von sonntäglichem Singen, nicht zwangsläufig in Kontakt mit der katholischen Ideologie (der Gebetsraum ist vorwiegend für das Personal und absolut freiwillig).

Ich finde überhaupt, dass der katholische Glauben hier total undogmatisch, tolerant und auf das wesentlichste Prinzip, nämlich das der Nächstenliebe beschränkt, praktiziert wird. So sollte es sein!

Das erste Stockwerk des Gebäudes mit den Unterbringungen (die Tür ganz hinten links führt zu unserem Zimmer).

Das erste Stockwerk des Gebäudes, in dem das Personal und die Freiwilligen untergebracht sind (unser Zimmer ist hinten links).

Der Blick durch die Eingangstür unseres Zimmers. Hinten links ist noch eine Tür zum Bad.

Der Blick durch die Eingangstür unseres Zimmers. Hinten links ist noch eine Tür zum Bad.

Unser Klo und Waschbecken.

Unser Klo und Waschbecken.

Unsere Dusche.

Unsere Dusche.

Unser Zimmer ist wirklich komfortabel. Es hat Betten mit extra Gestell für die bereitliegenden Moskitonetze, mehrere Steckdosen, die auch ohne Steckdosenadapter benutzbar sind, einen Deckenventilator, ein eigenes Bad mit westlicher Toilette, einem Waschbecken und einer funktionierenden Dusche.

Eigentlich haben wir sogar W-LAN, der funktioniert allerdings nicht so richtig, weil wir das Netzwerk betreffend fast immer nur entweder lokalen oder eingeschränkten Zugriff haben.

So müssen wir halt in der Regel runter gehen und uns in den Computerraum setzten. Momentan geht allerdings gerade gar nichts, weil der Telefonanschluss und somit auch das Internet des Projektes ausgefallen sind.

Alles in allem ist das Projekt in meinen Augen ein voller Erfolg, weil für die Kinder wirklich gut gesorgt wird und echte Perspektiven geschaffen werden. Das Personal (obwohl im Bereich der Betreuung fast nur Männer) ist unter Berücksichtigung der großen Selbstständigkeit der Kinder ausreichend einfühlsam und fürsorglich.

Unser Tagesablauf:

Morgens um 8:00 Uhr gibt es Frühstück, um 12:30 Uhr Mittagessen und um 20:00 Uhr Abendessen. In der Zeit dazwischen gehen wir bisher keiner geregelten Tätigkeit nach, sondern können uns je nach Belieben nützlich machen. Entweder wir spielen mit den Kindern, unterhalten uns mit ihnen oder helfen in den verschiedenen Abteilungen des Projektes (Bäckerei, Schneiderei, Schreinerei, Elektronik, Druckerei, Computerabteilung). Es besteht allerdings in meinen Augen, sowohl in Bezug auf die Freiwilligen, als auch in Bezug auf die den verschiedenen Abteilungen zugeordneten lernenden Kinder eine Überversorgung des Projektes (außer Erik und mir sind noch zwei weitere deutschsprachige Freiwillige in dem Projekt tätig). Das führt dazu, dass bei der Arbeit ein großer Teil der Beteiligten zuguckt und die Abteilungen schon ca. zur Mittagspause mit ihrer täglichen Arbeit fertig sind und danach nicht mehr viel zu tun haben. Dieser Zustand wird noch dadurch verstärkt, dass der Drang nach Reparaturen und Veränderungen bzw. möglichen Verbesserungen nicht besonders groß zu sein scheint und die Freizeit in Eigenregie sinnvoll mit Gesprächen und Sport gefüllt wird. So besteht unsere Aufgabe nicht so sehr darin, beim Ausführen der Arbeiten zu helfen. Stattdessen versuchen wir eher die Arbeit zu koordinieren, zu motivieren und mögliche Verbesserungen oder Reparaturen anzustoßen.

In diesem Sinne haben wir bisher erreicht, dass der seit drei Monaten defekte Wasserkocher in der Bäckerei abgeschraubt in die verantwortliche Elektronikabteilung gebracht und dort repariert bzw. gereinigt wurde. Damit ist wirklich allen geholfen: Der Bäcker hat nun wieder einen funktionierenden Wasserkocher und konnte sich als Auftraggeber für die Elektronikabteilung fühlen und die Elektronikabteilung hatte zumindest für einen Tag etwas Bedeutungsvolles zu tun und konnte sich über den Erfolg freuen. Von alleine schien dieser Vorgang allerdings in den vergangenen Monaten trotz freier Kapazitäten nicht in Gang gesetzt worden zu sein.

Ähnlich verlief es mit der Reparatur der Teigwalzmaschine in der Bäckerei…

Außerdem haben wir mittlerweile in der Schneiderei Umhängebändchen für die Fußballer in Auftrag gegeben, damit diese in Zukunft ihre Teammitglieder identifizieren können und vielleicht eine etwas ausgefeiltere Taktik (bisherige Taktik: siehe oben) möglich wird.

Nur um das noch klarzustellen: Die verschiedenen Abteilungen sind sehr Kompetent (so produziert die Schneiderabteilung jetzt z.B. extrem schicke, einer Siegerschärpe gleichkommende Bändchen für die Fußballer) es mangelt lediglich des Öfteren an Aufträgen.

Nach dem Abendessen haben wir dann frei und mit den zwei freien Tagen die Woche wird das so geregelt, dass wir die anhäufen und nehmen können, wie wir wollen (auch Sonntag wird von den Freiwilligen und dem Personal gearbeitet).

Sonstige Beobachtungen und Erfahrungen

Es ist heiß. Und im Sommer soll die Temperatur zwischenzeitig auf über 50°C ansteigen.

Bisher waren wir nur an zwei Tagen außerhalb des Projektes. Einmal zum Sightseeing und essen Gehen und einmal, um uns beim „Foreigner Registration Office“ registrieren zu lassen und anschließend das Kino zu testen.

Die Leute hier in Hyderabad sprechen zwar nicht alle englisch, aber es reicht, um sich fortzubewegen und die Sachen zu Machen, die wir bisher gemacht haben.

Das Preisniveau ist wirklich niedrig! Ein Euro entspricht 70 Rupien und 100 Paisa sind eine Rupie. Daraus ergibt sich: ein Paisa = 0,015 !Cent! Dazu muss allerdings gesagt werden, dass die kleinste Münze hier einen Wert von 50 Paisa = 0.75 Cent hat.

Ein Paar Preisbeispiele:

Ein Haarschnitt: 50 Rupien = 0,70€

Normal im Restaurant essen gehen für eine Person: ca. 175 Rupien = 2,50€

Menü bei Mc Donalds (0,5l Cola + mittlere Pommes + Chickenburger): 76 Rupien = ca. 1€

Eine Kinokarte für den neuen 2:30h langen Transformers Film im IMAX (westlicher Standard und größte Leinwand, die ich je gesehen habe): 200 Rupien = 2,85€

Eintritt für eine wirklich geile 30 Minuten dauernde Lasershow (allerdings auch die Erste, die ich in meinem Leben gesehen habe): 40 Rupien = 0.57€

Usw.

Es gibt allerdings auch Dinge, die hier teurer oder zumindest nicht billiger als in Deutschland sind. So kostet das original Computerspiel „Age of Empires III“ ca. 4300 Rupien = 61€. Natürlich gibt es aber auch raubkopierte ziemlich aktuelle Computerspiele für ca. einen Euro.

Vorteilhaft ist, dass hier eigentlich relativ wenig gehandelt wird. Bei den normalen Produkten (Waschpulver, Klopapier, Chips usw.) stehen die Preise, so wie in Deutschland bei Büchern direkt auf die Verpackung gedruckt. Aber auch bei Dienstleistungen stehen die Preise entweder dran oder es wird auch von uns Ausländern nur der übliche Preis verlangt. Die bisher einzige auffällige Ausnahme bilden die Taxifahrer. Die versuchen immer einen übers Ohr zu hauen, wobei sie aber bisher nur maximal das 1,5 Fache des normalen Preises verlangt haben, was bei Beträgen von ca. 100 Rupien = 1,42€ nicht besonders viel ausmacht. (Nachtrag: Mittlerweile haben auch schon einige das Dreifache vom normalen Preis verlangt.) Wenn die Leute sehr dreist sind, klopfen wir ihnen gelegentlich auf die Schulter oder schlagen ihnen zum Spaß einen noch höheren Preis vor (manchmal verstehen sie diese Ironie allerdings nicht^^).

Es bestehen große Unterschiede bei den Geschäften und der Infrastruktur. Der Flughafen entsprach in allem den westlichen Standards und hatte sogar eine Wärmekamera um mögliche Schweinegrippe Erkrankten zu identifizieren (die Angst vor Schweinegrippe ist hier sehr groß: Das Flughafenpersonal und auch einige aus der Normalbevölkerung tragen Gesichtsmasken zum Schutz und die Zeitungen sind voll von vermeintlichen Schreckensmeldungen. Bisher sind in Hyderabad allerdings erst 42 Menschen [glaube ich] an der Schweinegrippe gestorben, was bei nahezu keiner medizinischer Versorgung für einen Großteil der Bevölkerung kein Wunder ist und genau so gut durch normale Grippe passieren kann).

Auch der Buchladen und das Kino, in dem wir waren, entsprachen westlichen Standards. Andererseits ist hier kaum ein Gebäude über zwei Stockwerke groß, die meisten Restaurants wirken nach unseren Maßstäben etwas schäbig (lädiertes Geschirr, speckige Speisekarten und dreckige Wände), die meisten Geschäfte bestehen aus dem auch etwas schäbigen, vollgestopften Erdgeschoss eines Betonhauses und es sind immer wieder Gruppen von aus Holz, Blättern, Steinen und Plastikplanen konstruierte Behausungen zu sehen, die mit Sicherheit keinen menschenwürdigen Lebensstandard ermöglichen. Immerhin habe ich bisher noch keine Menschen auf der Straße verenden sehen müssen (oder ich erkenne es einfach nicht).

Auch Mülleimer existieren nicht…… Und nein, es gibt auch keine Müllabfuhr! (Nachtrag: Es gibt von der Regierung angestellte, Reinigungskräfte, die sporadisch den Müll mit Besen beiseite fegen und manchmal sogar einsammeln.)

Auffällig ist auf jeden Fall auch noch der Verkehr. Dieser ist total chaotisch, verläuft aufgrund der Überfüllung nahezu durchgehend stockend und es wird andauernd gehupt (auf vielen Fahrzeugen steht sogar hinten die explizite Aufforderung „Please Horn“). Ampeln und Verkehrsschilder existieren fast überhaupt nicht und wenn, werden sie nicht beachtet. Beachtet werden allerdings die Verkehrspolizisten, die gelegentlich an sehr großen Knotenpunkten platziert werden. Außerdem stinkt es nach Abgasen und Müll.

Unsere ersten Erfahrungen mit der indischen Bürokratie und Informationspolitik haben wir auch schon machen dürfen.

Zum ersten Mal, als wir bei einem Kiosk eine indische SIM-Karte erwerben wollten. Diese muss man ähnlich wie in Deutschland registrieren lassen… Als wir das erste Mal bei dem Kioskverkäufer ankamen, haben sich diverse Leute vorgedrängelt und als wir unser Anliegen bereits vorgebracht hatten wurden zwischen durch immer wieder andere bedient, die nur kurz etwas kaufen wollten. Das hat den Kauf der SIM-Karte zwar verlängert, ist aber irgendwie, wenn man die Gesamtwartezeit aller Beteiligten betrachtet effektiv. Auf jeden Fall hatten wir dann unsere SIM-Karte und uns wurde erst ganz am Ende (sogar noch nach dem Raufladen von Guthaben) mitgeteilt, dass wir zur Registrierung eine Kopie des Reisepasses benötigen. Daraufhin haben wir gesagt: „OK! Wir kommen morgen mit der Kopie wieder her.“ Als wir dann am nächsten Tag mit der Kopie vom Reisepass ankamen, wurde uns völlig selbstverständlich mitgeteilt, dass wir auch noch ein Passfoto benötigen. Also sind wir am darauf folgenden Tag mit jeweils einem Passfoto hingegangen…Leider ist dem Kioskbesitzer dann auch noch eingefallen, dass man eine Kopie der Telefon- oder Stromrechnung, als Nachweis für einen festen Wohnsitz und dessen Adresse benötigt. Am nächsten Tag kamen wir dann mit der entsprechenden Kopie und alles war paletti. Unser Glück, dass der Kiosk nicht weit entfernt war.

Die zweite Geschichte dreht sich um unseren Versuch, unser Visum registrieren zu lassen (auf dem Visum steht drauf, dass man es innerhalb von 14 Tagen nach der Ankunft in Indien registrieren lassen muss). Also haben wir uns auf den Weg gemacht und sind nach einigem Suchen im nächstgelegenen „Foreigener Registration Office“ angelangt. Dort haben wir ca. 30 Minuten Schlange gestanden, um einem Beamten unser Anliegen unterbreiten zu dürfen. Dieser hat mit einer unzumutbaren Aussprache geantwortet, wir sollen fünf Minuten draußen warten. Nach 15 Minuten war aber immer noch niemand für uns da. Zum Glück konnten wir dann einen anderen Beamten abpassen und ihn Fragen, was zu tun ist. Von ihm erfuhren wir dann, dass für unseren Wohnort ein anderes ca. eine Stunde entferntes „Foreigner Registration Office“ zuständig ist. Also sind wir dort hingefahren und mussten zumindest nicht anstehen, um zu erfahren, dass wir für die Registrierung so ziemlich genau noch mal dieselben Unterlagen brauchen, die wir schon in Deutschland für die Beantragung des Visums gebraucht haben. Naja. Jetzt müssen wir halt in zwei Tagen noch mal hin…

Ist aber alles auch irgendwie ziemlich lustig =).

Ich kann am Ende nur noch mal sagen: Ich bin hier bisher sehr zufrieden und obwohl ich erst eine Woche hier bin, habe ich mich schon gut eingelebt und spüre, wie sehr mich diese neue Situation positiv beeinflusst.

Das war es fürs Erste. Ich weiß noch nicht, wann ich das nächste Mal meinen Blog aktualisiere, aber ich habe auf keinen Fall vor jeden Tag etwas Neues zu schreiben. Da wir uns jetzt in der Regel eh erstmal von morgens bis abends auf dem Projektgelände hier aufhalten, wird eine Art Alltag eintreten und nicht soviel Bahnbrechendes zu berichten sein.

Wenn ihr noch Fragen habt, dann schreibt einfach einen Kommentar. Ich werde ihn früher oder später beantworten.

Petra, Georg, Maria: Ich freu mich auf euch!!!

Anton

Hallo!!!

8. August 2009

Ich fliege voraussichtlich am 13.09 (der Abflug hat sich auf den 19.09 verschoben) nach Indien um dort ein Jahr zu arbeiten. Das Ganze gilt als Zivildienstersatz, wird von dem Programm „Weltwärts“ weitestgehend finanziert und von VIA e.V. organisiert.

Dieser Blog ist für meine Eltern, meine Freundin und alle anderen Bekannten und Verwandten, die gerne wissen möchten, wie es mir in Indien so ergeht.

Das Projekt, in dem ich arbeiten werde, heißt „Don Bosco Navajeevan Bala Bhavan – A Home for Street Children and Youth at Risk“ und befindet sich in Secunderabad bzw. Hyderabad.

Mein Projekt

Da werde ich ein Jahr lang arbeiten.

Bisher weiß ich auf jeden Fall, dass es ein Straßenkinderprojekt ist, aber meine genauen Aufgaben dort kenne ich noch nicht.

Anton